Auf Hausbesuch im Mathare Slum

Die Tage im Mathare Valley vergehen für uns wie im Flug und so stellt sich bei der Arbeit bereits eine zunehmende Routine ein. Es schärft sich der Blick dafür wenn Patienten völlig ausgelaugt zur Tür hineinkommen, ob groß ob klein, dass man an Malaria oder bei den Kleinen auch mal an einen Schub der Sichelzellanämie denkt.


Wir sind inzwischen beide einmal mit der Sozialarbeiterin Rose auf „Homevisitation“ gewesen, wo primär HIV-positive aber auch schwerkranke und immobile Patienten in ihrem Zuhause besucht werden. Bei den Schwerkranken geht es darum Verläufe zu beurteilen oder Medikamente zu bringen. Bei den weniger kranken HIV-Patienten wird vor allem das häusliche und soziale Umfeld angeschaut und neben der häuslichen Beratung auch noch einmal die Tabletteneinnahme der HIV-Medikation vor Ort kontrolliert.

Die Hütten sind meist sehr einfach, aber die Leute bemühen sich das Beste aus den vorhandenen Gegebenheiten zu machen. Meist findet sich auf ca. 12m² der gesamte Hausstand, 1-2 Couches auf denen je nachdem 3-7 Menschen schlafen (wir können uns schwer vorstellen wie das praktisch geht) und hinter Vorhängen findet sich das übrige Hab und Gut: Wasserkanister, Kochgeschirr, einzelne Kleidungsstücke und weiteres.

Beliebt sind die Hütten am Hauptweg mit asphaltierter Straße, die anderen sind über Lehmwege zu erreichen, die besonders in der Regenzeit komplett aufweichen. Noch schlimmer ist es wenn bei Regen die jauchigen Abflüsse ansteigen und es zu Überschwemmungen kommt, die zu sehr unangenehmen Folgen für die umliegenden Hütten führen. Der Geruch und der viele Müll überall sind sicherlich die Hauptfaktoren, die das Leben im Slum so unmenschlich machen.

Die Einblicke in die teils erbärmlichen Lebensumstände vor Ort helfen uns, die Not der Menschen noch etwas genauer zu verstehen, denn bei den Arztbesuchen wird stets die beste vorhandene Kleidung angezogen, wie sonst nur zur Kirche oder bei offiziellen Angelegenheiten.


Am Ende der Hausbesuche verbleiben wir mit viel Demut und Respekt vor der Energie und Kraft, die so viele Menschen im Slum täglich neu aufbringen um den harten (Über-) Lebenskampf zu meistern.

Die Erlebnisse  lassen uns sehr nachdenklich werden, wenn wir an unser Gesundheits- und Sozialsystem denken und daran, wie ungerecht Güter in dieser Welt und auch in Kenia selbst verteilt sind. Es gibt in Nairobi einige Einkaufszentren und Stadtteile mit Villen, wo Mieten und Lebensmittel ähnlich teuer oder sogar teurer als in Deutschland sind… und im Gegensatz dazu sehen wir die Menschen im Slum, die große Schwierigkeiten haben zu überleben.

Es ist gut, dass wir hier medizinische Hilfe leisten und den Menschen, um die sich niemand kümmert, Hoffnung geben können. Aber es gibt immer noch so viel mehr was man tun könnte.

Katja und Henning Kahnert

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