Babys in Buda

Dr. Flüthmann und Dr. Werth sind seit einigen Wochen im Armenhospital in Buda, einem der Projekte der “Ärzte für die Dritte Welt – German Doctors e.V.”. Die Schwerpunkte dieses Krankenhauses liegen auf der Betreuung von Schwangeren und Müttern sowie der Versorgung von Säuglingen und Kindern. In diesem Blog berichten die beiden Mediziner von ihren Erfahrungen.

“Als begeisterte Neugeborenenmediziner haben wir bereits einiges in den vergangenen Wochen erlebt. Und haben gelernt, dass man mit einfachen Mitteln manche hoch komplizierte und extrem teure Therapie von daheim recht gut ersetzen kann. So gab es eine dramatische Verlegung an einem Samstagmorgen. Bei einem Kind, das am Abend zuvor geboren worden war, fiel eine blaue Gesichtsfarbe auf, es wurde ein viel zu niedriger Sauerstoffgehalt im Blut gemessen. Nach Einleitung einer antibiotischen Therapie sowie Verabreichung einer größeren Menge Flüssigkeit sahen wir uns gezwungen, das Kind sicherheitshalber nach Davao zu verlegen, wo es nach rascher Besserung auf dem Transport bereits ohne zusätzlichen Sauerstoffbedarf ankam. Wenige Tage später kam es tatsächlich wieder und wurde nach einigen weiteren Tagen der antibiotischen Behandlung fit und gesund nach Hause geschickt.

die Zwillinge

Und heute gab es noch mal einen sehr sentimentalen Sammelabschied: unsere drei Frühgeborenen, ein 1500-g schwerer Junge, der auf einem Billardtisch am Straßenrand geboren wurde, weil man es nicht mehr rechtzeitig zu uns geschafft hatte, und seine beiden ebenso unterkühlten Zimmernachbarn, die mit je 1700g auf dem Motorrad und zu Fuß fünf Stunden durch den Regen hergebracht worden waren, haben heute nach Überschreiten der 1800g-Gewichtsgrenze (nur mit Muttermilch!) unseren Segen bekommen und durften „Olé sabalay!“ – nach Hause! Wir haben über drei Wochen hart gekämpft, um die drei aufzupäppeln, haben sie mit kleinen Milchflaschensaugern und tröpfchenweise Muttermilch das Trinken üben lassen, um sie dann zunehmend an Mutters Brust zu gewöhnen, und siehe da, es hat geklappt. Zwei vor Freude fast platzende Mütter und eine stolze große Schwester der Zwillinge packten blitzschnell ihre Sachen, holten sich noch die letzten Impfungen für ihre Jungs ab und jetzt sind sie schon weg…und werden uns ein bisschen fehlen.

der neue Brutkasten

An dieser Stelle sei noch der Passauer Kinderklinik gedankt, deren gespendeter Brutkasten gerade rechtzeitig hier eintraf, als die Zwillinge hereinschneiten, klatschnass und mit einer Körpertemperatur von 33°C. Der vorher einzig vorhandene Brutkasten war schon durch den 1500g-Zwerg besetzt. Dank Eurer Spende hatten die zwei Kleinen ruckzuck wieder warme Füße! Dankeschön…”

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

4 Antworten zu “Babys in Buda

  1. Dr. Angelika Leistist

    toll! Aber braucht man wirklich den Brutkasten? Geht bei der dortigen Wärme nicht Känguruhmethode? Ich habe in BAngladesh ein Frühgeborenes gesehen, das nur mit ständigem Mutterkörperkontakt und Milch abpumpen und mit Löffel füttern und Mutter päppeln prächtig gediehen ist!

    • Cerise

      Da im Artikel auch etwas davon steht das die Zwerge durch strömenden Regen transportiert wurden würde ich, als Laie, mal sagen: So schnell kriegt man die nur mit Körperwärme von Mama sicher nicht gut warm.

      *Geht nach Lesen des Blogs gleich mal Impfpässe prüfen, Zwerg ist geimpft gegen alles, aber Mama und Papa, da ist alles schon etwas her…*

    • Katrin und Marc

      Ja, Kanguroohing haben wir natürlich auch gemacht. Aber unsere “Kunden” wohnen in Bergdörfern, in zugigen Hütten, nachts wurde es auch im Krankenhaus oft empfindlich kalt, da war es doch ein (sicher nicht überlebensnotwendiger, aber willkommener) Luxus, die Kinder im Inkubator warm und winddicht halten zu können. So hatten die Mütter zwischendurch etwas mehr Bewegungsfreiheit, haben natürlich trotzdem viel gekuschelt… Und die Muttermilch per Sauger ist selbstverständlich auch durch Löffel zu ersetzen, aber so wurde bereits ganz früh das Saugen trainiert, die Kinder haben prima zugenommen, konnten rasch an die Brust und die Mutter konnte vielleicht ein paar Tage früher zurück zu ihren anderen 8-10 Kindern… Letztlich haben wir nur genutzt, was da war. Was war das für ein Abenteuer…und schön war’s!

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