Bericht aus Mindanao

Schulung zum Thema Zahnhygiene

Schulung zum Thema Zahnhygiene

Liebe Freundinnen und Freunde der Ärzte für die Dritte Welt,

ich bin gerade zusammen mit der Journalistin Eva Fischl auf Mindanao, der großen südlichen Insel der Philippinen, unterwegs. Sie sammelt Informationen und Bilder für die diesjährige Weihnachtsaktion der Passauer Neuen Presse zu unseren Gunsten. Wir sind sehr froh, wenn über solche Wege auf die Arbeit unser vielen unentgeltlich arbeitenden „German Doctors“ aufmerksam gemacht wird und hoffentlich zusätzlich Spenden für unsere Arbeit zusammenkommen.

Heute sind wir mit unserer Rolling Clinic unterwegs. Gemeinsam mit dem einheimischen Team sind wir um acht Uhr von unserem Armenhospital in Buda, wo wir die Nacht verbracht haben, aufgebrochen. Zuerst geht es eine Dreiviertelstunde lang gut voran über eine der Hauptstraßen der Insel. Dann biegen wir ab und dringen tiefer in die Berglandschaft ein. Die Straße ist eng, vom Regen ausgespült, zum Teil schlammig, immer steil und holprig. Ohne unsere Vierradwagen hätten wir gar keine Chance, die weitverstreut in den Bergen lebende indigene Bevölkerung zu erreichen. Nach einer weiteren Stunde kommen wir in dem versteckt liegenden Dorf an. Es besteht aus einigen Bretterbuden entlang eines steinigen Weges oberhalb eines großen Flusses. Hinter dem Dorf käme man auch mit unseren Autos nicht weiter. Die Dorfbewohner sind Lumats und gehören zur lokalen Bevölkerung.

Alle fassen mit an, um die Medikamente, den Zahnarztstuhl und weiteres Gerät auszuladen. Auch die kleinsten tragen, was sie können. Bald ist in verschiedenen Verschlägen entlang der „Hauptstraße“ alles aufgebaut: Die Patientenanmeldung, die Apotheke, der Platz zum Wiegen der Kinder, der Tisch für die einsatzerfahrene 68jährige Kinderärztin Regina Rehmann und die Zahnarztpraxis im Freien. Dort wird der 34jährige Zahnarzt Christoph Grundel bei seinem ersten Einsatz als German Doctor unter großer Anteilnahme der zuschauenden Dorfbevölkerung bald anfangen, Zähne zu ziehen. Bevor es aber los geht, halten unsere philippinischen Teammitglieder noch mitten auf der Straße kleine Schulungen für alle ab. Es geht zum Beispiel um erste Maßnahmen bei Durchfällen der kleinen Kinder. Wenn die Mütter wissen, was hier zu tun ist, kann das lebensrettend sein. Denn leider können die German Doctors  nicht jede Woche in dieses Dorf kommen. Es gibt so viele andere, die unsere Hilfe auch brauchen. Und die Entfernungen auf den schlechten Straßen sind oft riesig. Aber auch zur Familienplanung und zur Zahnhygiene gibt es mit großem schauspielerischen Talent von unserem Zahnarzthelfer und Fahrer Nazar vorgetragene Schulungseinheiten, wie Sie auf dem Bild sehen können.

Dann beginnt die Sprechstunde. Die Patienten teilen sich zwischen der Ärztin und dem Zahnarzt auf. Auf den schmalen Bergpfaden kommen derweil immer mehr Mütter mit ihren Kindern, auch ganze Familien, um die Chance, einen Arzt um Rat zu fragen, um Medikamente zu bekommen, nicht zu verpassen. Andere Möglichkeiten, medizinische Hilfe zu bekommen, haben diese Menschen weit und breit nicht. Bei allen Kindern schauen wir genau hin, ob sie gut ernährt sind. Je früher unsere Ärzte erkennen, ob ein Kind schlecht ernährt ist, um so besser können wir helfen und das Kind vor bleibenden Entwicklungsschäden schützen. Ein Teil der Mütter kommt mit ihren Kleinen auch nur, um die Kinder einmal von der Ärztin ansehen zu lassen. Wie für jede Mutter weltweit tut es ihnen gut zu hören, dass alles mit ihren Kindern in Ordnung ist. Nicht selten stoßen unsere Ärztinnen und Ärzte bei solchen Rolling Clinic-Touren auch auf echte medizinische Notfälle. Da können sie dann direkt lebensrettend wirken. Oft nehmen wir die Patienten  mit in eines unserer drei Armenhospitäler auf Mindanao. Dort arbeiten auch German Doctors, wo wir mehr für die Menschen als draußen auf dem Land erreichen können. Heute gibt es zum Glück keinen solchen Notfall. Nur viele Patienten mit kleineren und größeren Beschwerden, um die sich sonst niemand kümmert. Unter den Lebensbedingungen hier kann ein kleiner Infekt bei einem Kind leicht zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung werden. Also haben auch ohne Notfälle unsere beiden German Doctors bei dieser Tour sicherlich wieder Leben gerettet.

Nach einem langen Tag mit insgesamt über 100 Patienten und 60 Personen, denen Dr. Grundel die Zähne gezogen hat, packen wir die Autos bei einbrechender Dämmerung wieder  und fahren zurück über den holprigen Bergweg in unsere Unterkunft in Buda. Die Menschen in den Bergen wissen schon jetzt, wann die Ärzte für die Dritte Welt wieder kommen werden und sind dafür dankbar.

Herzliche Grüße

Dr. Harald Kischlat

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