Zum dritten Mal in Nairobi

Ein Bericht von Frau Dr. Barbara Herzberger über ihren Einsatz auf Nairobi/Kenia

In diesem Jahr war ich zum dritten Mal im Nairobi-Projekt der German Doctors eingesetzt. Mein erster Einsatz in Kenia liegt schon über 10 Jahre zurück. Damals arbeiteten wir mitten im Slum zu viert in einem Container ohne Strom oder fließendes Wasser. Es war häufig so laut, wir könnten uns kaum hören.

Slum in Kenia

Auf den Straßen liegt der Müll

Inzwischen hat sich sehr vieles geändert. Wir sind zu sechst, haben deutlich mehr Platz in einem festen Gebäude mit Strom und Wasser, Labor und Sonographie. Es werden fortwährend zusätzliche Bedürfnisse identifiziert und entsprechende Leistungen angeboten und die Arbeitsabläufe verbessert. Erfreulich ist, dass uns die Mitarbeiter/innen treu geblieben sind. Es macht immer eine große Freude, sie wieder zu sehen.

Ambulanz der German Doctors

Im Behandlungszimmer

Ein Medical Officer ist jetzt für die ca. 243 chronischen Fälle (Sichel-Zell-Anämie, Diabetes, Bluthochdrück, Asthma und Epilepsie) verantwortlich, um eine einheitliche Behandlung zu vergewissern. 176 TB-Patienten werden bei uns behandelt, zudem erhalten 2495 HIV-Patienten ARV-Medikamente. 202 haben noch keine ARVs, werden aber engmaschig kontrolliert. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für die HIV-Patienten. Neuhinzugekommene Leistung sind eine Zahnärztin, die einmal pro Woche kommt sowie Physiotherapie für Behinderte im Feeding-Programm.

Arbeiten im Slum

Ein Kohleverkäufer im Mathare Valley-Slum

Mathare Valley Slum

Überall wird etwas verkauft

Leider haben sich die Verhältnisse im Slum über die Jahre meines Erachtens kaum verbessert, eher im Gegenteil: Es gibt keine Müllabfuhr. Der Müll wird neben der Straße abgelagert und von Mensch und Tier nach Essbarem durchwühlt. Was übrig bleibt wird abgefackelt. Es gibt keine öffentlichen Toiletten. So trinken die Menschen zu wenig, um sich nicht in der Öffentlichkeit erleichtern zu müssen. Es gibt keine Spielplätze und viele unbeaufsichtigte Kinder. So spielen sie, wo es spannend ist, z.B. auf Baustellen oder abgebrochenen Bauteilen – an einem Vormittag hatte ich beispielsweise zehn Knochenbrüche zu versorgen.

Kind aus Nairobi

Knochenbrüche gehören leider zum Alltag

Und wie ging es mir persönlich? Die neue Unterkunft ist sehr gemütlich und die Köchinnen versorgen uns reichlich mit leckerem Essen. Auch wenn die Arbeit manchmal frustrierend ist, so empfinde ich die Tätigkeit im Slum doch als sinnvoll und erfüllend. Denn es geht in Baraka um Individuen, nicht um die Statistik. Jeder Mensch zählt!

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Als Arzt auf den Philippinen

Ein Bericht von Dr. Horst Eisold über seinen Einsatz in Manila und auf Mindoro/Philippinen

Der Einsatz  der German Doctors auf den Philippinen  in Manila und auf der Insel Mindoro erfolgt vor dem Hintergrund, dass ein großer Teil der ca. 4 Millionen Slumbewohner von Manila und die etwa 200.000 Mangyans, die indigene Bevölkerung der Insel Mindoro, sich keinen Arztbesuch und die damit verbundenen Kosten für Diagnostik und Therapie leisten können Und das obwohl die entsprechenden Fachärzte und Krankenhäuser vorhanden sind – diese müssen aber von den Patienten selbst bezahlt werden. Dieses Geld ist nicht vorhanden, so dass die arme Bevölkerung nicht von der ärztlichen Versorgung erreicht wird. Die Gesundheitssituation auf den Philippinen stellt sich wie folgt dar:

  • Lungenentzündungen, Tuberkulose, Unterernährung  und  Durchfallerkrankungen sind die häufigsten Todesursachen.
  • Jährlich sterben 110.000 Philippinos an Tuberkulose.
  • 000 Säuglinge sterben im ersten Lebensjahr.
  • 000 Kinder sterben vor dem 5. Geburtstag. Meist an Infekten der Atemwege, Durchfallerkrankungen oder Unterernährung (Angaben der WHO).
  • Die Sterblichkeit unter den Kindern der Armen ist dreimal so hoch wie unter den Reichen.

Diese Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen führen, können aber besonders gut durch basismedizinische Versorgung behandelt und beherrscht werden.

Sprechzimmer in Manila

Mein Sprechzimmer in Manila

Der Einsatz erfolgt einerseits im Zentrum der German Doctors in Bagong Silang im Health Care Development Center (HCDC) und von dort aus mit der Rolling Clinic in Slumvororten, wobei die Sprechstunde in Kirchen, Schulen, Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen erfolgt. Die Patienten sind in der Regel sehr dankbar, dass man sie medizinisch versorgt. Hier sieht man v.a. bakterielle Hauterkrankungen wie Pyodermien, Skabies, Lausbefall, Tinea corporis und  bronchopulmonale Erkrankungen. Der „schlimmste“ Vorort ist Payatas, die Müllkippe  von Manila, wo täglich mehrere tausend Tonnen Müll angeliefert werden, die von den Männern nach Verwertbarem wie Plastik, Glas, Kabel u.ä. durchsucht werde-, so dass sie 1-3-U$ pro Tag verdienen, wovon die Familie ernährt werden muss. In Payatas stinkt es nach Müll und man darf bei dem Einsatz nicht zimperlich sein.

Sprechstunde auf Mindoro

Eines meiner “Sprechzimmer” auf Mindoro

Angenehmer ist der Einsatz auf der etwa 200 km südlich von Manila liegenden Insel Mindoro, wo die German Doctors zwei Einsatzzentren haben, eines im Norden in Calapan und eines im Süden in Mansalay. Von diesen Zentren fährt man mit dem Van in die etwa 42 Dörfer der Mangyans, die die eigentlichen Ureinwohner der Insel sind. Sie lebten früher an den Küsten vom Fischfang, heute aber haben sie sich in die Berge zurückgezogen und leben dort unter nahezu mittelalterlichen Bedingungen, meist ohne Strom und fließend Wasser. Obwohl sie so arm sind, sind sie oft fröhlich und leben im Familienverband in ihren Dörfern, so dass man von der fröhlichen Art viel für sich selbst lernen kann.

Mangyans auf Mindoro

Die Mangyans sind ein fröhliches Volk

Traditionelle Kleidung der Mangyans

Traditionelle Kleidung der Mangyans

Die Fahrt in die Dörfer ist oft malerisch aber anstrengend, denn die Wege sind oft nur Feldwege mit Steinen, so dass man durcheinander geschüttelt wird. Manchmal gibt es auch gar keine Straßen und man fährt in Flussbetten in die Dörfer. Es kommt auch vor, dass man steckenbleibt und dann zu Fuß weitergehen muss.

Als Arzt auf den Philippinen

Täglich sehen wir viele Patienten

Traurig sind oft unterernährte Kinder, die nur aus Haut und Knochen bestehen oder Patienten, die über „Hunger Pain“ klagen. Ein zwölfjähriges tuberkulosekrankes Mädchen war so schwach, dass sie nicht mehr selbst stehen und gehen konnte. Ein dreijähriges Kind hatte eine Anämie mit einem Hb von 2,8 g% und ein 13 Monate altes Mädchen mit Zyanose und einem Systolikum hatte wohl eine Fallotsche Tetralogie. Ein dreijähriger Bub mit einer ausgeprägten Pneumonie wurde mit Sauerstoffgabe versorgt. Ob er es überlebt hat? Leider erfährt man oft nicht, wie es den Patienten weiter ergeht, denn ein einmal besuchtes Dorf wird erst in vier Wochen wieder von einem German-Doctors-Team besucht und da ist man oft schon wieder in Deutschland.

Krankenhaus auf den Philippinen

Im Krankenhaus mus immer ein Angehöriger dabei sein

Was mich auch noch besonders beeindruckt hat, ist, wie fürsorglich die Mangyans ihre Angehörigen im Krankenhaus versorgen, denn die Mahlzeiten z.B. werden nicht vom Krankenhaus geliefert, sondern müssen von den Angehörigen bereitet werden. Ich habe eine Mutter erlebt, die neben ihrem bewusstlosen, schwerkranken Sohn am Kopfende des Sohnes saß und ihm dauernd den Schweiß von Kopf und Körper wischte – ein Bild, das mich tief rührte.

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Vier Wochen im Buda-Hospital

Ein Bericht von Dr. Gerhard Steinmaier über seinen Einsatz auf Mindanao/Philippinen

Vier Wochen im Buda-Hospital liegen hinter mir. Sie haben mir die besondere Art vom Umgang mit Krankheit und Tod gezeigt, wie er von armen Menschen hier in Mindanao gepflegt wird. In unsere Sprechstunde kommen täglich viele Menschen durchaus mit Bagatell-Erkrankungen. Das “Andere” hier ist, dass bei der schlechten Ernährungslage und der damit verbundenen reduzierten Immunabwehr aus vermeintlich banalen Störungen schnell lebensbedrohliche Zustände erwachsen können. So haben wir erlebt, wie Kinder, die wegen Durchfall oder Husten bei Unterernährung stationär aufgenommen und scheinbar schon auf dem Weg der Besserung waren, sich plötzlich akut verschlechterten und einfach starben.

Das “Andere” ist auch, dass ein Patient niemals alleine aufgenommen wird. Eine unerlässliche Bedingung für die stationäre Behandlung ist, dass ein Watcher zur Verfügung steht, d.h. ein Angehöriger (Vater, Mutter, Oma, Ehemann oder -frau, ältere Geschwister oder Söhne/Töchter) muss den Kranken während des Hospitalaufenthalts begleiten und betreuen. Der Watcher kümmert sich um die Körperpflege, sorgt über das Krankenhausessen (kein Mensch in Deutschland würde sich sowas zumuten lassen!!) hinaus für die Ernährung und besorgt z.B. Windeln für die Säuglinge. Er schläft mit seinem Patienten immer im selben Bett, oft ohne Matratze, fast immer ohne Decke.

Kinder auf den Philippinen

Kleine Patienten

Anders ist hier auch, dass die Patienten unsere Sprache und wir Ärzte deren Sprache nicht verstehen. Mit der Sprache verbunden ist es auch schwer bis fast unmöglich, die Kultur des jeweils andern zu verstehen. Mütter sind mit unglaublich großer Geduld ihren Kindern zugewandt, sie tragen die Kleinen bis zum 3. oder 4. Lebensjahr unablässig mit Tüchern an sich selbst festgebunden mit sich herum oder sitzen stundenlang – die Kinder auf dem Schoß – im Bett. Wenn sie nicht wieder schwanger sind, haben ihre Kinder jederzeit und überall Zugriff auf ihre Brust, und die sonst sehr schamhaften Frauen haben überhaupt kein Problem damit, ihre Brust zu entblößen. Dieselben Mütter sehen ganz offenbar in ihrem Zuhause tatenlos dabei zu, wie ihre unterernährten Kinder langsam verhungern. Das ist eine für mich kaum zu verstehende Diskrepanz. Erklärbar wird es nur, wenn man weiß, dass die Familien der Natives oft aus 10 und mehr Kindern bestehen und die Mütter anscheinend nicht wissen, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Solange das breastfeeding noch praktiziert werden kann, geht es noch, aber spätestens wenn die Muttermilch als Ernährung nicht mehr ausreicht, wird es problematisch. Die kleinen Kinder bekommen als Hauptnahrungsmittel Lugaw, das ist mit reichlich Wasser zu Brei zerkochter Reis. Fleisch, Fisch, Ei oder gar Gemüse werden höchstens einmal in der Woche beigemischt. Man muss wissen, dass selbst ein Erwachsener neben 2 Tassen Reis vielleicht 4 kleine Stückchen Fleisch (wie Gulaschwürfel) oder das Kopfende eines kleinen Fischs, manchmal auch ein Ei, als Hauptnahrung bekommt. Schwer verständlich ist in diesem Zusammenhang, dass die Bergbewohner ihre reichlich vorhandenen Hühner gerne verkaufen, um sich mit dem Erlös dann gesalzenen und getrockneten Fisch zu kaufen. Dieser Fisch ist für mich wegen des hohen Salzgehalts ungenießbar. Vielleicht liegt es daran, dass ein geschlachtetes Huhn aufgegessen werden muss, bevor es verdirbt, während ein Salzfisch ohne Weiteres eine ganze Woche und länger hält.

Als Arzt auf den Philippinen

Während der Sprechstunde

Die vergangenen Tage in der Rolling Clinic haben mir viele der Besonderheiten in einem klareren Licht erscheinen lassen. Wir waren im Bezirk Marilog unterwegs, der einen Teil von Nord-Davao ausmacht. Es ist eine landschaftlich überwältigend schöne Gegend, bergig mit tiefen, schroffen Tälern, Flüssen, Urwald, riesigen Bananenplantagen, reich an Blumen, Bäumen, ein grünes, weitgehend unerschlossenes Land. Bewohnt wird diese Gegend von den Manobo, einem Stamm der Ureinwohner Mindanaos. Es sind recht kleine Menschen mit sehr dunkler Hautfarbe, mit schönen, ausdrucksstarken Gesichtern und großen, neugierig blickenden Augen. Sie wurden durch die Siedlungspolitik im vergangenen Jahrhundert durch die “weißen” Filipinos aus ihren ursprünglich bewohnten Gebieten verdrängt und haben sich immer weiter in die Berge zurückgezogen. Sie treiben dort in bescheidenem Umfang Landwirtschaft, leben aber angeblich auch noch in gewissem Umfang als Jäger und Sammler. Es wird immer wieder erzählt, die Menschen seien nicht wirklich sesshaft, sie ziehen in den Bergen umher (“they are roaming around”). Nicht selten findet man verlassene Hütten, die offenbar nicht mehr bewohnt werden.

Ambulanz auf Mindanao

Ambulanz im Freien

Während unserem Aufenthalt in Marilog werden wir vom Barangay-Captain auf seinem Grundstück beherbergt. Das ist durchaus für hiesige Verhältnisse luxuriös. In einem Nebenhaus, das dem Sohn gehört, bekomme ich ein Zimmer mit Bett und Aircondition, im Haus gibt es einen “Comfort room” (Toilette) mit fließendem Wasser, ich kann duschen (allerdings kalt) und es ist durchaus angenehm. Die Frauen meines Teams, Maricel ist midwife (Hebamme) und Kenny (nurse) können die Küche benutzen und kochen Frühstück und Dinner für uns, wobei sich beide nach landestypischer Art nur durch den Kaffee zum Frühstück unterscheiden. Ansonsten gibt es immer Reis, Gemüse, Fisch, Fleisch und Obst. Von dieser Basis brechen wir jeden Morgen gegen 8 Uhr auf und fahren ein Stück am Highway, um dann nach rechts oder links in die Berge abzubiegen. Dort ist es dann mit Asphalt, Teer oder Beton auch bald vorbei und wir werden bei der Fahrt über rocky, rough and muddy roads von unserem alten Toyota mächtig durchgeschüttelt. Mehrfach müssen auch Flüsse überquert werden, zum Glück sind die Regenfälle der letzten Wochen schon wieder abgeflossen, sodass das Auto höchstens bis zum Fahrzeugboden eintaucht. Immer wieder wird der Allradantrieb gebraucht, um steile und matschige Abschnitte zu überwinden. Nach 1 bis 2 Stunden Fahrt (höchstens 30 – 40km Strecke) erreichen wir dann eines der Dörfer, wo wir in der Regel am Basketballplatz unsere Clinic aufbauen können. Einer der Tage hat eine walking-tour vorgesehen, nach Sumilop gibt es keinen für ein Auto zugänglichen Weg. Also wird der Wagen abgestellt, unser ganzes Equipment wird auf 3 Pferde verladen und wir machen uns auf den Weg, ca. 1 Stunde auf schmalen Pfaden bergauf. Immer wieder begegnen oder überholen uns Motorräder, die mit mehreren Menschen und auch mit allen möglichen Frachtgütern beladen auf diesen holprigen Pfaden fahren. Sie sind neben Pferd und Karabau die einzig verfügbaren Verkehrsmittel und ich bewundere den Mut und die Geschicklichkeit der Fahrer, die es schaffen, ohne Sturz die ausgewaschenen Spuren zu nutzen.

Rolling Clinic auf den Philippinen

Untersuchung während der Rolling Clinic

Zur Clinic finden sich dann bald schon die Patienten ein. An 9 Tagen habe ich insgesamt 569 gesehen. Viele davon kommen mit der Klage “cough and cold and runny nose, with fever last night” (ubo, sip-on, calentura) und haben oft nichts Greifbares. Wollen sie vielleicht die “Attraktion” als Abwechslung in ihrem Alltag nutzen, dabei den German Doctor bestaunen? Der Unterschied zum Viernheimer Wartezimmer wäre nicht sehr groß. Immer wieder findet sich aber jemand, der dringend ärztliche Hilfe braucht. 34 Kinder sind unterernährt. Die WHO unterscheidet MAM (moderate acute malnutrition) und SAM (severe acute maltnutrition) Kinder. Als Maß gilt neben dem Gewicht (weight for age) der MUAC (mittlere Oberarmumfang). Die brauchen besonders erhöhte Aufmerksamkeit, wie schon eingangs berichtet. 3 dieser 34 Kinder sind in einem bedrohlich schlechten Zustand, sie haben neben der Unterernährung (die übrigens niemals der Grund für die Vorstellung beim Arzt ist) zweimal Durchfall mit blutigem Stuhl und einmal eine Lungenentzündung. Zwei dieser Kinder nehmen wir samt Watcher am Ende unseres Besuchs im Auto mit und bringen sie nach Buda ins Hospital. Das dritte dieser Kinder müssen wir leider seinem Schicksal überlassen. Es ist 6 Monate alt und wiegt gerade mal 5,1kg. Die Mutter kam mit dem Kind (Durchfall) über 2 Stunden zu Fuß nach Sumilop, hat zu Hause weitere 8 Kinder zurückgelassen und weigert sich auch nach ausführlicher Debatte unter Einbeziehung der örtlichen Healthworker standhaft, mit ihrem Kind nach Buda mit zu kommen. Ich berate sie nochmal ausführlich über die Notwendigkeit einer ausreichenden Ernährung und sie bekommt von uns für 6 Wochen als Nahrungsergänzung zur Muttermilch Nutrimix.

Unterernährung Philippinen

Unterernährung ist ein großes Problem

Oder die junge Frau (18 Jahre alt) die mit Unterstützung durch die “trained hilot” (eine native Heilerin und Hebamme) zu Hause ihr Kind geboren hat. Der Säugling ist 8 Tage alt und wird vom Vater gebracht: ich soll feststellen, ob mit dem Kind alles in Ordnung ist und kann nichts Negatives finden. Erst 2 Stunden später stellt sich die Mutter vor: sie hat 3 Tage nach der Entbindung gemerkt, wie ihr Bauch wieder dicker wird, sie hat auch Schmerzen und Ausfluss. Fieber hat sie auch noch und im rechten Unterbauch kann ich eine derbe Masse tasten. Sie wird samt Kind und Mann auch bei uns aufgeladen und im Hospital bei unserer Gynäkologin abgeliefert.

Unterernährung Mindanao

Hilfe für die Kleinsten

Die Tage in der Rolling Clinic waren sehr interessant, ich habe viel gelernt, die Zusammenarbeit mit meinem Team hat Freude gemacht, und – das soll nicht verschwiegen werden – es ist natürlich auch ein großes Abenteuer. Trotz aller Unzulänglichkeiten, die mit den Einsätzen verbunden sind: Wenig Ausrüstung, Verständigungsschwierigkeiten, langer Abstände zwischen den einzelnen Besuchen (6 Wochen), bin ich doch der Meinung, dass wir einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen leisten. Fast wichtiger als unsere unmittelbare ärztliche Tätigkeit scheint mir der Kontakt zu den local healthworkers und den nutrtion-partners zu sein, auch zu den jeweiligen politischen Ortsvorstehern, die alle an unseren Clinic-Terminen anwesend sind und mit denen wir intensiv das Gespräch suchen, um Wege zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung zu diskutieren. Ziel muss es sein, nicht als Medikamentenverteiler in die Dörfer zu kommen, sondern dort Strukturen zu unterstützen, die frühzeitige Gegenmaßnahmen bei drohenden Gesundheitsschäden einleiten.

Ein Wort noch zur Herzlichkeit und Freundlichkeit, mit der uns alle immer wieder begegnen. Ich habe mich hier bei allen Widrigkeiten sehr wohl gefühlt und für mich steht schon fast fest: Ich komme wieder.

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Meine Zeit auf Mindoro

Ein Bericht von Frau Dr. Helga Lenschow über ihren Einsatz auf Mindoro/Philippinen

Zum 3. Mal auf den Philippinen , davon zum 2. Mal in Manila und auf der Insel Mindoro, da sind mir so manche Umstände nicht ganz unbekannt. Mit der Rolling Clinic zu den Mangyan-Dörfern unterwegs zu sein ist und bleibt dennoch für mich immer ein besonderes Erlebnis, auch wenn sich das alltägliche Leben der Mangyans uns im Verlauf des Arbeitstages nur wenig erschließt.

Ich war diesmal im Süden der Insel eingesetzt, mit festem Standort in Mansaly, und ich möchte über den Ablauf eines Tages dort berichten. Ein Tag meiner Arbeit läuft etwa wie folgt ab: Nach einer stundenmäßig ausreichend langen Nacht und dank Ohropax (bloß nicht vergessen) auch ausreichend Schlaf, fällt es mir nicht schwer, morgens um 6 Uhr dem kraftvollen Hähneruf nachzugeben. Anecita hat bereits für das Team unser Lunch gekocht und verteilt es gerade in die Gefäße zum Mitnehmen. Wir sitzen in der Küche beim gemeinsamen Frühstück und jeden Tag bin ich dankbar, dass ich auf großes Verständnis stoße und ganz deutsch Brot (Toast), Butter, Marmelade und auch den guten Eden-Käse und Kaffee haben kann. Alle anderen essen ein typisch philippinisches Frühstück, d. h. Reis mit gebratenem Fisch, Hähnchenteilen oder Schweinefleisch in Brühe .

Mindoro

Ein typisches Dorf der Mangyans

Das Auto ist gepackt und es geht um 7 Uhr los. Garry unser Fahrer umfährt in unbeirrbarer Ruhe die aufgestellten Absperrungen, die an Schulen zur Sicherheit der Kinder aufgestellt sind – und natürlich auch jeden Hund, der unverhofft noch langsam die Straße überquert.

Bald verlassen wir die sehr geschäftige Durchgangsstraße, und nun sind es meist unbefestigte Wege, nach Regen sehr ausgewaschen und holprig. Es geht bergan, am Morgen kommen uns auch da noch Kinder entgegen, die zur Schule wollen. Dann aber werden die Bilder von Schuluniformen immer weniger. Nach etwa einer ¾ Stunde sind wir in dem Dorf angekommen, heute ist es Calates. Ziemlich oben auf der Höhe, wo die Temperatur mir sehr entgegenkommt. Nachdem anfangs nur die Volontäre aus dem Dorf die Vorbereitungen für unsere Arbeit organisieren, finden sich allmählich die Patienten ein. Als erstes bringt ein junger Mann seine Frau mit zwei kleinen Kindern auf dem Motorrad. Und dann allmählich füllt sich unser „Warteraum“.

Hilfe für Mindoro

Ein junger Familienvater

Das Sprechzimmer ist heute in einer kleinen Hütte, separat von der Aufnahme und Pharmazie. Bis es richtig losgeht , habe ich Zeit, mir die Umgebung etwas näher anzuschauen, denn bei den Vorbereitungen der Sprechstunde ist man, selbst wenn man den guten Willen unbedingt zeigen möchte, eigentlich wenig hilfreich, da das Team so gut eingespielt ist, dass man sich allenfalls mit Tablettenabpacken nützlich machen kann. Die Lage dieses Dorfes oben auf der Höhe ist besonders reizvoll. Man hat von hier den Blick über weite Grünflächen bis zum Meer. Das bedeutet wiederum, dass die Wege zur Schule weit sein müssen, wenn überhaupt möglich, und die Wege zur Arbeit auf dem Feld auch sehr mühsam sind.

Rolling Clinic Mindoro

Unser Behandlungszimmer

Heute sind unter den Patienten zwei Männer, die Schnittverletzungen durch die Machete an der Hand haben. Die Ereignisse liegen Tage zurück, sie haben also immer weiter gearbeitet mit notdürftigem Verband. Außer Reinigen und sachgemäßem Verband, sowie dem Auffrischen der Tetanusimpfung bleibt uns nichts weiter zu tun. Jetzt kommt ein Patient mit „Augenproblemen“. Er hat ein Trachoma, die Symptomatik ist so typisch, wie in meinen Unterlagen. Das Augenlicht ist nahezu verloren, und um keine Chance zu verpassen, überweisen wir ihn zum Augenarzt. Heute sind viele Patienten wegen Hauterkrankungen und Harnwegsinfekten gekommen, und als Besonderheit zwei mit „Ohrproblemen“. Bei einem Patienten kann eine Kakerlake der kleinen Art, beim anderen eine Fliege aus dem Gehörgang geholt werden. Was man so alles erleben kann! Es gibt zum Glück nicht immer dramatische Begebenheiten.

Patient der German Doctors

Einer der vielen Patienten

Und dennoch erlebe ich nach einem manchmal arbeitsreichen Tag, dass gerade in der letzten Stunde, wenn man so ans Einpacken denkt, noch der eine oder andere mit Cough and Cold kommt, was so zum Alltag gehört – und dann ist es ein Patient mit einer ernsthaften Pneumonie.

Heute ist der Tag gut verlaufen. Wir hatten 82 Patienten, was nicht unbedingt die Regel ist. Und mit der guten Vorarbeit im Team kam auch keine Hektik auf. Das Einpacken geht mit Hilfe einiger Dorfbewohner ganz rasch und mit freundlicher Verabschiedung fahren wir zurück.

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Baraka – Hoffnung für Mathare

Ein Bericht von Frau Dr. Ursula Psyk über ihren Einsatz in Nairobi/Kenia

Kenia, der Name erweckt bei den meisten Deutschen Urlaubsgefühle: Sonne, Strand, Safari. Mit der Lebenswirklichkeit in Mathare, dem zweitgrößten Slum von Nairobi mit ca. 500.000 Einwohnern, hat das leider nichts zu tun. Die Menschen hier haben keine Chance, in einem der teuren kenianischen Nationalparks wilde Tiere zu erleben. Im Slum leben die Menschen von der Hand in den Mund. Häufig haben sie nicht einmal etwas zu essen. Sich medizinische Versorgung leisten zu können, daran ist erst recht nicht zu denken.

German Doctors Nairobi

Wartende Patienten in Baraka

German Doctors unterhält aus diesen Gründen seit 1997 in Mathare ein Healthcenter mit dem Namen Baraka, was auf Deutsch „Segen“ bedeutet. Hier finden Menschen wie die 18-jährige Grace menschliche und medizinische Unterstützung. Grace ist als zweite Ehefrau nach einem Jahr Ehe noch nicht schwanger. Grund genug für ihren Mann, ihr deshalb Vorwürfe zu machen. Dabei ist die Ursache des Problems die Tatsache, dass er sie mit HIV infiziert hat.

Aids in Kenia

Blutabnahme im Labor

Ein anderes Schicksal erschüttert meine fünf in Baraka arbeitenden Kollegen und mich. Die 19-jährige Margarete leidet an einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus und kommt in sehr bedrohlichem Zustand in die Ambulanz. Der Zucker ist entglitten, sie leidet an starken Bauchschmerzen durch einen stoffwechselbedingten Harnverhalt. Die Familie hatte kein Geld, um Insulin zu kaufen. Margarete hat drei Tage lang, dieses lebensnotwendige Medikament nicht spritzen können. Sie wird von uns nach der medizinischen Erstversorgung unverzüglich als Notfall mit unserem Ambulanzwagen in das naheliegende Krankenhaus gebracht.

Kind aus Kenia

Kind aus Mathare

Auch der 28-jährige Steven, sucht Hilfe bei mir: Seit einem halben Jahr wird er von einem traditionellem Heiler wegen des Verdachts auf Gelbfieber behandelt, einer Erkrankung die in Kenia sehr selten auftritt. Mittlerweile hat er 10 Kg abgenommen, leidet unter Fieberschüben und chronischen Durchfällen. Leider stelle ich bei ihm eine HIV-Erkrankung fest, Gelbfieber hatte er nie. Umgehend wird die antivirale Therapie bei dem jungen Mann gestartet.

HIV Kenia

Steven bei der Untersuchung

In der Baraka arbeiten ständig sechs Fachärzte aus Deutschland und fünf kenianische Clinical Officers interdisziplinär. Dank eines hervorragenden Labors und drei Ultraschallgeräten können wir einiges an Diagnostik durchführen. In einem Ambulanzraum ist es möglich Abszesse o.ä. zu operieren, Wundverbände anzulegen und zu gipsen. Täglich werden bis zu 350 Patienten betreut: Säuglinge, Kinder, Erwachsene, Alte und Schwangere.

Ambulanzfahrzeug Nairobi

Pfleger Gerald im Ambulanzwagen

Zusätzlich besuchen wir regelmäßig nicht mobile Patienten zu Hause. Diese Visiten in den ärmlichen, dunklen Behausungen ohne Elektrizität und fließend Wasser hinterlassen einen tiefen Eindruck bei mir; ich bin betroffen und voller Bewunderung für die Menschen, die unter solchen Verhältnissen ihr Leben meistern.

Mathare Valley Slum in Nairobi

Auf dem Weg zum Hausbesuch im Slum

Viele Erkrankungen in Baraka kennen wir deutschen Ärzte aus unserer Heimat, zusätzlich gilt es in Mathare auch viele Tropenerkrankungen wie z.B. Cholera, Typhus, Malaria oder Amöbenabszesse zu erkennen und zu behandeln. Kindern wie dem kleinen Derrick mit angeborener Sichelzellanämie kann geholfen werden, in dem die Infektneigung und die Schmerzhäufigkeit medikamentös reduziert wird.

Kinder in Kenia

Derrick mit seiner Mutter

Eine häufige Erkrankung in Mathare ist die Tuberkulose. Nicht immer äußert sie sich durch Husten bei Lungenbefall, sondern auch durch Lymphknotenvergrößerungen wie bei Daruta, einem 20-jährigen Flüchtlingsmädchen aus Somalia, das hier im Slum Zuflucht gefunden hat. Den mandarinengroßen Lymphknoten hatte sie schon vor mehreren Monaten bemerkt, besaß aber kein Geld für die Abklärung. Dank der German Doctors hat sie nun nahezu kostenlosen Zugang zur Diagnostik und Behandlung.

Patienten in Nairobi

Meine Patientin Daruta

Immer wieder werden meine Kollegen und ich mit Leidenswegen konfrontiert, die in Europa undenkbar sind, wie z.B. die Krankengeschichte von Gloria, einem 14-jährigen Mädchen, deren Schwangerschaft sich zu einer Blasenmole entwickelt hatte und in den staatlichen Krankenhäusern nicht behandelt wurde, da die Familie kein Geld für die Therapie hat. Durch uns erhielt sie die Möglichkeit, in einer Privatklinik versorgt zu werden.

Sonographie Nairobi

Sonographiebild von Gloria

Leider werden wir German Doctors nicht allen Patienten im Slum von Mathare helfen können. Neben der medizinischen Hilfe bringt das Healthcenter noch etwas sehr Wichtiges in diesen armen Teil der Welt: Hoffnung.

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Bergfest in Buda

Ursprünglich veröffentlicht auf doktormarikki:

Halbzeit

Wahnsinn………….es ist Halbzeit.

Das bedeutet, dass ich schon seit 21 Tagen in Buda bin.

Ok, richtig angefangen zu arbeiten habe ich nicht am 1. Tag, aber trotz alledem: Kinder, wie die Zeit vergeht ;) – hätte meine Oma gesagt. Und es stimmt. 3 Wochen rum und 3 Wochen kommen noch.

Es sind drei Wochen in einer anderen Welt, drei Wochen in denen ich bisher gesehen habe wie die medizinische Versorgung auf einem Basis-Level gut funktioniert. Mit Grenzen, aber das wäre ja auch komisch, wenn es anders wäre.

Zwei sicherlich große Unterschiede zum Krankenhaus-Alltag und dem 0815-Krankenhaus in Deutschland sind die TB-Ward (Tuberkulose-Station) und Malnutrition-Ward (Station für unterernährte Kinder). Auf der TB-Ward liegen die Patienten, die eine komplizierende Diagnose haben wie zum Beispiel eine Lungenentzündung oder Knochenbefall. Die Tb-Ward und auch die gesamten Strukturen dazu (Ambulanz, Therapieraum) liegen in einem separaten Gebäude. Dazu gehört auch die Sputum-Collection-Area.

Sputum Collection Area

Ja, ihr habt…

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Erster Einsatz in Nairobi

Ein Bericht von Dr. Reinhild Allhoff über ihren Einsatz in Nairobi/Kenia

Zur Vorbereitungslektüre für diesen lang erhofften Einsatz gehörte auch ein vor Jahren auf einem Seminar erworbenes Buch unseres Kollegen Dr. Eike Uhlich: „Briefe aus zwei Welten“, welches in wunderbarer Sprache seine Erfahrungen im Baraka Health Center in Nairobi vor vierzehn Jahren beschreibt.

Vieles hat sich geändert, einiges ist geblieben. Zum Beispiel Feeding Rose,die Mutter und Seele des Ernährungprojektes.

Die neue Wohnung der Ärzte liegt jetzt erstaunlicherweise auch zwischen zwei Welten. Der Bungalow befindet sich auf dem Gelände des mit einem bewässerten Park umgebenen Utalii Hotels, mit Schwimmbad und Tennisplatz. Vom Garten geht der Blick hinunter ins Tal der Wellblechhütten, in welchem geschätzte fünfhunderttausend Menschen ohne Wasserversorgung leben.

Mathare Valley Slum in Kenia

Buntes Treiben auf dem Markt

Mein Empfang in Nairobi war gelungen. In klarer Morgensonne finde ich den Fahrer Ben mit seinem Schild am Flughafen. In der Wohnung haben die anwesenden Kollegen den Frühstückstisch gedeckt, und eine Einladung zu einem Besuch auf Pater Peter Meisenbergs Farm im Süden von Nairobi auf dem Sonntagsprogramm.

Die ersten Tage in der Ambulanz sind erwartungsgemäß anstrengend. In den Wartehallen und draußen drängen sich um die dreihundert bis fünfhundert, zum Teil von weit angereiste Patienten. Die Zeit vergeht im Fluge bis die Gesichter der engsten Mitarbeiter vertraut sind und die vielen Gässchen und Flure auch. Da hilft mir jetzt mein Tagebuch beim Sortieren der vielen Eindrücke sehr.

Mathare Valley Slum Nairobi

Mathare Valley Slum

Viel Aufregung und anfängliche Unsicherheit wird aufgefangen durch die gute Zusammenarbeit im gesamten Team der Kollegen, Übersetzerinnen, KrankenpflegerInnen und SozialarbeiterInnen. Ich habe es gut angetroffen. Dr. Friederike, ein „alter Hase“ im Projekt Baraka, sitzt im Nachbarzimmer und führt mich ein. Da sie gut Kisuaheli spricht, ist der Kontakt zu den Patienten unmittelbar und macht Mut, die Sprache zu lernen. Die Übersetzerinnen machen gerne mit. Jane Rose war eine besonders gute und fröhliche Lehrerin. Die Fröhlichkeit der Mitarbeiter im Projekt hat mich vom ersten Tag an fasziniert und fasziniert bin ich geblieben auch von Ihrer Geduld und Ausdauer an langen Arbeitstagen.

German Doctors Nairobi

Übersetzerin Jane Rose bei der Arbeit

Einige Begegnungen haben mich besonders betroffen gemacht. So z.B. die mit einer jungen Frau, von weit angereist wegen Fieber und Durchfall. Auch Ihr kleiner Sohn ist krank. Sie ist sehr dünn, schlicht gekleidet und trägt das Baby unter einem Schal. Die weite Reise hat sie angetreten, auf ärztliche Untersuchung und Verständnis hoffend. Die Blutergebisse zeigen eine hochaktive Malaria und ernsthafte Anämie, auch des Kindes. Die Behandlung erfolgt sofort unter Anleitung und Kontrolle der Apotheke, da sie einige Tage dauert, wohnen beide Patienten bei „Verwandten“ im Slum.

Malaria in Nairobi

Malaria in Nairobi

Ein alter Mann, mit seinem besten Anzug – ein wenig geflickt – gekleidet ist nach der Untersuchung seiner Hautekzeme und Beratung so dankbar, dass ihm die Tränen nur so von den Wangen rollen.“He is very content and now we are too!” lacht Jane Rose und drückt ihm die Hand.

Vor diesem Einsatz in Nairobi habe ich das klinische Bild der Aidserkrankung nur selten sehen können. Durch die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen konnte ich in diesen Wochen viel über Symptomatik und Therapie dieser Krankheit lernen, besonders die unterschiedlichen Erscheinugsformen der opportunistischen Infektionen und Hautkrebserkrankungen. Das HIV-Programm hier in Kenia habe ich als vorbildlich organisiert erlebt. Ein positiv getesteter Patient wird sofort zur Beratungsstelle der Continuous Care Clinik begleitet und persönlich vorgestellt.

Welch große Verantwortung die Berater im Projekt tragen, konnte ich an einem jungen Patienten erfahren. Er kam wegen Husten, von weit angereist. Nach positiver Testung wurde er zu Benjamin geführt, ihm war er schon bekannt. Das bedeutet, der junge Patient hatte sich aus dem Staub gemacht. Kein Vorwurf, keine Ermahnung, sondern freundliche, ernste Begrüßung und Beginn einer eindringlichen Beratung.

HIV-Programm in Nairobi

HIV-Programm in Nairobi

Eine junge Mutter wurde in mein Zimmer mehr getragen als gestützt. Sie ist nach Testung positiv, auch bereits bekannt. Die untergewichtige Patientin kann nicht mehr trinken. Sie muss in ein Hospital. Bis ein Klinikbett gesichert, Überweisung und Transport angelaufen sind, vergehen trotz großer Bemühungen Stunden. An diesem Tag regnete es so unaufhörlich, dass wir am Abend selbst mit einem Ambulanzwagen nach Hause fahren mussten. Das Wasser lief durch die Lüftung auf unsere Köpfe.

Slum Nairobi

Die Rückfahrt im Regen

Enden will ich mit einem aufrichtigen Dank an alle Mitarbeiter und besonders an Jane Rose, meine fröhliche Übersetzerin. Der Widmung Eike Uhlichs schließe ich mich gerne an: Vergeßt die vielen Frauen nicht.

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