Zwei besondere Patientinnen

Ein Bericht von Dr. Monika Euler über ihren Einsatz in Buda/Philippinen

Im Januar bin ich zum 6. Mal aus Buda auf der philippinischen Insel Mindanao zurückgekommen. Und wie immer, bin ich ein „bisschen geschafft“ und zufrieden in Frankfurt gelandet.

Heute, nach 6 Wochen Alltag in der stationären Gyn/Geburtshilfe in Deutschland, gehen mir immer noch zwei Patientinnen häufiger durch den Kopf. Zum einen war das die 16-jährige Erstgravida, die wir in Buda im Kreissaal mit regelmäßiger Wehentätigkeit aufnahmen. Begleitet wurde die junge Mutter, ein eher verängstigter Teenager, von dem Vater des Kindes, der kaum älter war. Ungewöhnlich, dass keine Mutter, Tante oder Schwiegermutter als Unterstützung im Kreissaal war. Das Mädchen, die werdende Mutter bekam ein kleines Mädchen und nahm ihr Kind direkt nach Geburt überglücklich in die Arme. Das ist durchaus nicht immer so. Beim ersten genauen Hinschauen stellten wir fest, dass das Neugeborene eine große und somit auch das Gesicht doch entstellende Lippen-Kiefer-Gaumenspalte hatte. Ich dachte nur: wie soll das gut gehen? Denn diese Diagnose ist gleichbedeutend mit: Stillen ja, aber über den Umweg des Abpumpens und des Fütterns mit der Flasche, präpariert mit einem speziellen Sauger. Gottseidank hatten wir einen Vorrat dieser Sauger, da der Kinderarzt auf Nachfrage vor meiner Anreise diese Sauger erbeten hatte. Zügig nach der Geburt habe ich eine erfahrene und engagierte Hebamme, die auf Station im Dienst war, gebeten, sich besonders um diese Patientin zu kümmern. Das heißt in erster Linie immer wieder die Milchpumpe an die Brust zu legen, damit die Milchbildung in Gang kommt und der Mutter das Füttern mit der Flasche beizubringen, ohne dass das Kind sich verschluckt, heißt, die Milch in der Lunge landet.

German Doctors auf den Philippinen

Die junge Mutter mit ihrer Schwester

Ehrlich gesagt habe ich nicht wirklich geglaubt, dass das klappen wird. Aber ab dem zweiten Lebenstag des Kindes verzeichneten die Schwestern auf Station eine stete Gewichtszunahme und das nur durch Muttermilch der eigenen 16-jährigen Mutter. Das ist selbst für deutsche Verhältnisse nicht die Regel – auch ohne Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Ich war absolut begeistert, fast aus dem Häuschen vor Freude und überzeugt, dass diese kleine Familie es schaffen wird, das Kind bis zur Operation (dafür ist ein bestimmtes Gewicht und Alter Voraussetzung) durch zu bekommen. Jeden Tag aufs Neue habe ich mich über die Fortschritte gefreut, auch darüber dass die Patientin und ihre inzwischen eingetroffene wenig ältere Schwester sich darüber Gedanken machten, wie sie eine Milchpumpe finanzieren könnten.

German Doctors auf Mindanao

Meine rote Jacke blieb als Geschenk in Buda

Die andere Patientin – nach meiner Rückkehr erreichte mich eine Mail der Kollegin, die mich abgelöst hat, mit einem Foto von ihr. Ich hatte eh vorgehabt, die rote Jacke in Buda zu lassen und mich dann entgegen meiner üblichen Gewohnheit (nicht an einzelne Patientinnen irgendetwas zu geben) entschlossen, diese Jacke einer 15-jährigen Patientin zu geben, mit dem Auftrag, dafür gesund werden zu wollen. Eine Woche haben wir dieses Mädchen betreut, das in den Monaten zuvor schreckliche Dinge erlebt hatte, bevor klar wurde, dass sie die verordneten Medikamente nicht einnahm – aus Angst.

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Ein ganz normaler Arbeitstag

Ein Bericht von Dr. Christian Repp über seinen Einsatz in Kalkutta/Indien

Um kurz vor sieben klingelt mein Wecker. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit den anderen Kollegen geht es raus vor die Tür. Dort stehen schon unsere Teams und die Einsatzfahrzeuge bereit. Es ist Freitag, das heißt drei Doctors fahren in die Foreshore Road und die anderen drei nach Bojerhat. Zum Einsatzbeginn wird jeder Doctor einem Team zugeteilt, woraus sich dann die jeweiligen Einsatzorte ergeben – der Rhythmus ist jede Woche gleich und es gibt zur Zeit insgesamt sieben verschiedene Ambulanzen. Die Foreshore Road, an der wir vier Mal pro Woche arbeiten, ist ein umfunktionierter Hühnerstall in einem recht zentral gelegenen städtischen Slum hinter dem Ufer des großen Flusses Hooghly. Bojerhat ist ein ärmliches Dorf am östlichen Rand von Kalkutta, zwischen Reisfeldern und Lederfabriken, die Reise dorthin ist etwas weiter und wird nur einmal pro Woche unternommen. Für mich geht es heute also wieder in die Foreshore Road. Unser alter Mercedes-Bus kämpft sich durch das morgendliche Verkehrschaos der Andul Road, das gesamte Team von ca. 12 Leuten sitzt hinten drin, die ganze Ausrüstung (Medikamente, Impfungen, Verbandsmaterial, etc.) ist auch dabei.

Ambulanz der German Doctors

Unsere Ambulanz in der Foreshore Road

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir die Ambulanz. Im Eiltempo werden die Kisten ausgeladen und alle Arbeitsplätze aufgebaut. Vor der Ambulanz warten schon sehr viele Menschen. Viele sind vermutlich schon seit Stunden dort um sich einen guten Platz in der Schlange zu sichern. Unser Mitarbeiter Vincent macht eine Durchsage über sein Megafon, um den Patienten die Abläufe zu erklären und schwer kranken Menschen evtl. das rechtzeitige Aufsuchen eines Krankenhauses nahe zu legen. Es bilden sich drei Reihen – Kinder mit ihren Müttern, Männer und Frauen. Danach kommt das Stempeln. Wir einigen uns darauf, dass wir mit 3 Ärzten heute ungefähr 120-130 Patienten versorgen können – je nach Kapazitäten am Nachmittag können noch mehr dazugenommen werden. Der Andrang ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Leider sind heute vor allem bei den Frauen deutlich mehr in der Schlange, als wir vernünftigerweise schaffen können. Bei 40 ist also erstmal Schluss. Einem Kollegen fällt aber noch eine ältere Frau auf, die weiter hinten in der Schlange auf dem Boden sitzt und sehr krank aussieht, sie bekommt auch noch einen Stempelabdruck von mir und wird in der Schlange vorgezogen. Sofort drängelt sich noch eine Gruppe anderer Frauen um uns herum, alle fordern wild gestikulierend auch noch einen Stempel. Das Ablehnen fällt mir natürlich schwer, aber unsere Kapazitäten haben leider Grenzen und es gilt in Kalkuttawie auch sonst überall, dass eine vernünftige Versorgung nur möglich ist, wenn man sich auch genügend Zeit für jeden Patienten nehmen kann.

Registrierung der Patienten

Die Patienten werden registriert

Die ersten Patienten werden umgehend registriert und ich gehe mit meiner Übersetzerin Jhuma zu unserem Arbeitsplatz. Jhuma arbeitet schon seit vielen Jahren im Projekt. Ihre Motivation und Energie haben mich immer wieder beeindruckt, zumal sie sich alle 6 Wochen an einen neuen Doctor gewöhnen muss. Übersetzer sind nötig, weil die Patienten etwa zur Hälfte Analphabeten sind und fast niemand von ihnen Englisch spricht. Im Viertel um die Foreshore Road werden drei Sprachen gesprochen, was auch auf die Herkunft und den kulturellen Hintergrund der Patienten schließen lässt: Hindus aus der Region sprechen die örtliche Sprache Bengali, die vielen aus dem Nachbarstaat Bihar Eingewanderten sprechen einen Hindi-Dialekt, und viele Muslime sprechen hauptsächlich Urdu.

Meinen ersten Patienten heute muss ich gar nicht viel fragen. Er streckt mir seine linke Hand entgegen, sie ist geschwollen und mit einem schmutzigen Verband umwickelt. An mehreren Stellen schimmert Eiter durch. Aus einer kleinen Verletzung ist eine schlimme Handphlegmone geworden. In Deutschland würde man so jemanden sofort stationär aufnehmen, er würde sicherlich innerhalb weniger Stunden operiert werden. Aber in Kalkutta? Bei uns bekommt er ein orales Antibiotikum und einen frischen Verband. Außerdem schicken wir ihn in Begleitung einer unserer Mitarbeiter ins Medical College, die örtliche Uniklinik, wo er wenigstens ambulant einen Handchirurgen sehen kann – dort wird dann meist der Eiter drainiert, eine richtige Operation erfolgt in der Regel nicht. In Kalkutta gilt die Grundregel, dass Patienten nur stationär untergebracht werden, wenn sie sich nicht mehr allein auf den Beinen halten können.

Mein zweiter Patient ist ein 10jähriger Junge, der in Begleitung seiner Mutter reingehumpelt kommt. Schon seit 2 Monaten humpelt er, das rechte Knie tut ihm weh, am Knochen darunter ist eine harte Schwellung. Verletzt hat er sich nicht. Ich veranlasse sofort ein Röntgenbild in einem nahe liegenden Diagnostik-Zentrum, als unbefundeten „Wet Film“, damit der Junge schon in 2 Stunden mit dem Bild wieder zu uns kommen kann. Meine Kollegen und ich sind uns schließlich nicht sicher, ob der Befund im Röntgen einem Tumor oder einer Osteomyelitis entspricht. Wir entschließen uns gemeinsam zu einer Aufnahme auf unsere hauseigene Kinderstation, die von indischen Kinderärzten geführt wird und sich im gleichen Gebäude wie unsere Wohnung befindet. Dort kann auch leicht mal ein Spezialist dazugezogen werden. Ein paar Tage später stellt sich heraus, dass es sich „nur“ um eine Osteomyelitis handelte und der Junge mit oraler antibiotischer Therapie nach Hause entlassen wurde.

Nach diesen beiden Fällen war ich schon mal ziemlich geschafft. Unsere Möglichkeiten sind manchmal doch sehr begrenzt. Zum Glück kamen die nächsten Patienten mit Problemen, bei denen wir Doctors deutlich besser helfen können. Im Laufe des Vormittags sah ich noch viele Kinder, die meisten mit eher harmlosen Problemen – „cough, cold and fever“ oder Durchfall. Relativ häufig sind auch bakterielle Hautinfektionen und Scabies. Die wichtige Aufgabe besteht darin die Kinder herauszufiltern, die schwer krank sind und eine stationäre Versorgung benötigen. Doch bei denen ist es nicht immer leicht, die Angehörigen von der Notwendigkeit einer solchen Behandlung zu überzeugen. Viele Mütter sind an ihre häuslichen Verpflichtungen gebunden und können nicht mit ins Krankenhaus. Manche von ihnen willigen zunächst ein, gehen aber noch kurz raus um angeblich ihren Mann zu fragen und kommen dann nie wieder. Daher bekommen alle solche Patienten von uns auch Medikamente für eine ambulante Therapie mit.

Patienten der German Doctors

Ein Großteil der Patienten sind Kinder

Bei den weniger kranken Kindern werden die Impfungen überprüft, und je nach Bedarf werden Entwurmungen und Vitamin-Substitutionen durchgeführt. Fälle von Erblindungen durch Vitamin-A-Mangel und Rachitis durch die schlechte Ernährung und die fehlende Sonnenexposition in den engen Gassen der städtischen Hochhaus-Slums waren früher ziemlich häufig, werden aber auch heute immer wieder gesehen. Der ebenfalls häufige Eisen- und Zink-Mangel schwächt das Immunsystem und begünstigt Infektionen. Studien dazu haben gezeigt, dass eine gezielte Substitution die Morbidität und Mortalität von Kindern reduzieren und ihre körperliche und geistige Entwicklung begünstigen kann. Für deutlich mangelernährte Kinder besteht die Möglichkeit sie in ein Ernährungsprogramm aufzunehmen. Vor allem bei kinderreichen Familien oder jungen Müttern bespreche ich regelmäßig das Thema Familienplanung, hierfür stellen wir verschiedene Methoden der Kontrazeption zur Verfügung.

Eine kleine Patientin

Eine kleine Patientin mit „cough, cold and fever“

Am späteren Vormittag kommen vermehrt die erwachsenen Patienten dran. Viele von ihnen sind chronisch krank. Ihre Krankenakte bringen alle Patienten in Form von gelben Kärtchen mit, daraus erkenne ich dass viele schon seit Jahren bei uns in Behandlung sind. Ähnlich wie in deutschen Hausarztpraxen gibt es viele Fälle von Hypertonie, Diabetes und COPD. Vor allem die Häufigkeit von Diabetes erstaunt mich, dies ist in Indien auch genetisch bedingt. Viele Typ-2-Diabetiker sind noch relativ jung, und die meisten sind schlank. Immer wieder kommen auch Patienten mit Verdacht auf Tuberkulose, in verschiedensten Ausprägungen. Diese Seuche hat sich zwar in den letzten Jahrzehnten in ihrer Häufigkeit verringert, bestimmt aber immer noch das Schicksal vieler Familien. Für viele ist die Krankheit ein Stigma, so dass Symptome und Vorgeschichte oft verschleiert werden und Diagnose und Therapie deutlich erschwert sind. Für die Therapie sind letztendlich die örtlichen „TB-Doctors“ zuständig, wir sind hierbei vor allem für das Herausfiltern und Vermitteln zuständig. Bis zur Mittagspause habe ich schon drei Patienten mit chronischem Husten zur Sputum-Untersuchung geschickt, einen davon noch zusätzlich zum Röntgen. Um 13 Uhr setze ich mich schließlich mit meinen Kollegen zusammen. Zum Essen haben wir wie immer eine Lunch-Box mitbekommen, mit leckerem Chapati und verschiedenen Gemüse-Curries.

Mein erster Patient nach der Mittagspause wedelt mit seinem Röntgenbild, was ich am Morgen veranlasst hatte. Der Rikscha-Fahrer hat sich tatsächlich eine Mittelhandfraktur zugezogen, als das Taxi seine linke Hand gestreift hat. Ich bespreche mit unserer Verbandsschwester was sie für einen Gips machen soll und verschreibe noch ein paar Schmerzmittel für die nächsten Tage. Der nächste Patient ist auch Rikscha-Fahrer. Vor ein paar Tagen sei ihm beim Beladen seiner Rikscha ein riesiger Stoffballen auf den Kopf gefallen. Seitdem tut ihm sein Kopf ein bisschen weh, sonst habe er keine Probleme. Auch er wird mit Schmerzmitteln versorgt. Im Laufe des Nachmittags kommen auch mehrere Frauen, die über diffusen „Body Pain“ klagen. Wenn ich mir so anhöre mit welchen Tätigkeiten sie ihre Tage verbringen, wundert mich das kaum. Viele von ihnen sehen kaum jemals die Sonne, und manche wirken auch etwas depressiv. Außer Empfehlungen zur körperlichen Betätigung, Calcium-/Vitamin-D-Substitution und Schmerztherapie habe ich aber keine wirklich sinnvollen Optionen.

Ein 35jähriger Mann kommt zu mir wegen zunehmender Dyspnoe. Er hat eine bekannte rheumatische Herzerkrankung und ihm sind vor ein paar Tagen die Medikamente ausgegangen. Seine mitgebrachten Befunde sind schockierend. In seinem jungen Alter ist sein Herz schon so schwer geschädigt, dass er wohl nicht mehr viele Jahre zu leben hat. Ein operativer Klappenersatz mit den anschließend nötigen Therapien führt unter Slum-Bedingungen erfahrungsgemäß zum Desaster, so dass auch hier nur eine Weiterführung und regelmäßige Optimierung der medikamentösen Therapie möglich ist. Ein sehr trauriger Fall, der allerdings nicht ungewöhnlich ist – ich denke mir, wie einfach es gewesen wäre solch eine Situation zu verhindern, wenn man die auslösende Erkrankung im Kindesalter nur rechtzeitig behandelt hätte!

German Doctors in Indien

Mein Arbeitsplatz in der Ambulanz

Die größte Herausforderung des Nachmittags ist eine ältere Dame, die schon seit Jahren bei uns mit ihrem Diabetes in Behandlung ist. In der letzten Kreatinin-Kontrolle hat sich eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion gezeigt, so dass eine Therapie mit Tabletten nicht mehr möglich ist. Ich veranlasse also eine Umstellung auf Insulin und brauche eine gute halbe Stunde, um der Patientin die Therapie zu erklären und zu demonstrieren. Eine Insulin-Therapie im Slum birgt Probleme, an die man in Deutschland nicht denken muss: Wo kann man das Insulin kühl halten? Wie entsorgt man die Spritzen? Und wer aus der Familie kann ihr beim Aufziehen der Spritze helfen, da die Patientin nicht nur schlecht sieht, sondern auch Analphabetin ist? Ich bin etwas skeptisch, aber bei anderen Patienten hatte ich schon gesehen dass solche Probleme oft erstaunlich gut in den Griff zu bekommen sind. Gegen 16:30 Uhr ist kein Patient mehr vor der Ambulanz. Wir haben es in unserem Team tatsächlich geschafft, die ganze große Menschenmenge vom frühen Morgen zu versorgen. Jhuma und ich räumen unseren Arbeitsplatz auf und setzen uns zu den anderen in den Transporter, eine gute Stunde später bin ich zu Hause. Meine Kollegen aus den anderen Einsatzorten sind schon da, und wir tauschen uns über die interessantesten Fälle des Tages aus.

Unsere Patienten kommen insgesamt aus sehr armen Verhältnissen. Oft sind ganze Großfamilien von den Einkünften des Familienvaters abhängig, der sich oft bis zur völligen Erschöpfung als Tagelöhner oder Rikschafahrer durchschlägt. Die Frauen kümmern sich in der Regel voll und ganz um die Versorgung der Familien, viele sind aber noch nebenher auf dem Feld oder z.B. im Straßenbau tätig – schwerste körperliche Arbeit ist auch für Frauen nicht ungewöhnlich. Bei Kindern frage ich oft nebenbei, ob sie zur Schule gehen – manche ja, andere nein. Ich denke mir, dass ich vielleicht allein durch die Frage die eine oder andere Familie dazu motivieren kann. Ein Urteil kann ich mir aber darüber nicht erlauben, weil ich die genauen Hintergründe in der Regel nicht kenne. Bildung wird in Indien allgemein als großer Wert angesehen, aber in manchen Familien sind die Türen dahin einfach noch verschlossen. Religion spielt bei den meisten meiner Patienten eine große Rolle, so dass viele Missstände eher als schicksalhaft und gottgewollt interpretiert werden, als es in unserem Kulturkreis der Fall wäre. So bleibt meine Feststellung, dass es mir schwer fällt die Lebensumstände meiner Patienten richtig zu verstehen und nachzufühlen, trotz der ständigen Konfrontation damit. Ebenso habe ich mich oft gefragt, wie die Patienten uns Doctors wahrnehmen, mit unserer westlichen Medizin und unserem eher naturwissenschaftlich-mechanistischem Weltbild.

Die Standorte der Ambulanzen sind so gewählt, dass vor allem die untersten Bevölkerungsschichten von uns versorgt werden können. In einer sich rasch entwickelnden Metropole wie Kalkutta ändern sich daher die Einsatzorte auch immer mal wieder, das Projekt bleibt also immer dynamisch. Das Ziel für uns German Doctors wird sein, dass wir eines Tages in Kalkutta komplett überflüssig sind. An der Sinnhaftigkeit meines Einsatzes und unserer Arbeit habe ich jedoch nach abschließenden Überlegungen keine Zweifel. Indien hat gute Krankenhäuser und exzellent ausgebildete Ärzte. Es gibt jedoch kein Versicherungssystem, so dass die Bezahlung immer direkt durch die Patienten erfolgt. Daher ist es verständlich, dass viele Ärzte ihre Tätigkeiten zumindest teilweise auf lukrative Privatkliniken konzentrieren oder sogar ins Ausland gehen. Die Basisversorgung von armen Patienten ist für indische Ärzte mit finanziellen Einbußen verbunden, und daran kann sich in naher Zukunft auch nichts ändern, selbst wenn der indische Staat entsprechende Programme fördern sollte. Ein Großteil unserer Patienten in Kalkutta hätte aktuell ohne unsere Arbeit einfach überhaupt keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

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Manila, Mindoro und zurück

Ein Bericht von Dr. Marlies Möbbeck über ihren Einsatz in Manila/Philippinen

Am Samstag, den 13.09.2014, war es endlich für mich soweit! Mein Einsatz auf den Philippinen stand vor der Tür. Ich musste auf meiner Flugroute einen Zwischenstopp in Abu Dhabi einlegen. Von dort flog ich gemeinsamt mit meiner Kollegin weiter bis Manila. Dort angekommen, mussten wir uns um ein Taxi bemühen. Frau Dr. Pinki informierte uns im Vorhinein per E-Mail, dass wir leider nicht abgeholt werden können. Außerdem teilte sie uns mit, für welchen Preis wir uns ein Taxi suchen können. Doch mit dem uns vorgegebenen Betrag kamen wir nicht sonderlich weit…

Unser erster Arbeitstag war ein Montag. Es waren relativ wenig Patienten bei uns in Behandlung, sodass wir Zeit hatten um uns einzugewöhnen. Für uns war die andere Sprache, die fremde Umgebung und die Anwesenheit der Übersetzerin sehr ungewohnt und somit eine große Umstellung (in Deutschland kann man mit den Patienten direkt kommunizieren). Am Nachmittag hießen uns die Mitarbeiter dann herzlich Willkommen! Meine Einsatztage für Payatas Tres waren der Montag, Mittwoch und Freitag. Die Landschaft dort ist leider mit sehr viel Müll belastet. Dort konnten wir mehr Patienten behandelt als in Bagong Silan.

German Doctors Manila

Unsere Ambulanz in Manila

Am 06.10.2014 ging meine Reise in den Süden von Mindoro. Meine Kollegin hingegen behandelte im Norden weiter. Nach einer ca. achtstündigen Fahrt war ich endlich angekommen. Die Begrüßung vor Ort durch das Team war sehr herzlich.

Um in unser Einsatzgebiet in die Bergen zu gelangen, mussten wir jeden Morgen zwischen 1 bis 1,5 Stunden Fahrt auf uns nehmen. Die Patientendort haben uns jedesmal schon sehnsüchtig erwartet. Mit ihnen warteten aber auch die freiwilligen Health Worker auf uns, die ihre Arbeit richtig gut machen. Wir hatten dort täglich mit ca. 80 Patienten zu tun, wobei ein Großteil davon Kinder waren. Die häufigsten Erkrankungen dort waren unter anderem Hauterkrankungen, wie Skabies oder Pilzinfektionen, welche sehr häufig noch superinfiziert waren. Es kamen sehr viele Mütter mit ihren teilweise unter- oder mangelernährten Kindern und suchten bei uns Hilfe. Teilweise hatten die Kinder noch Durchfall oder Atemwegserkrankungen, ein Großteil derer war stark immungeschwächt.

Die Mütter waren schwer davon zu überzeugen, dass ihre Kinder im Krankenhaus besser aufgehoben wären, trotz dass wir Sie darüber informierten, dass die German Doctors alle Kosten übernehmen. Immer wieder hörte ich von den Müttern, dass im Krankenhaus die Betreuung sehr fragwürdig sei und sie sehr oft diskriminiert werden. Diese Tatsache macht mich sehr traurig!

German Doctors Rolling Clinic

Unterwegs mit der Rolling Clinic

Ich konnte nach 10 Tagen Arbeit eine Pause von 4 Tagen einlegen. Im Anschluss ging es wieder zurück nach Manila. Zum Schluss hatte ich noch eine Woche Aufenthalt in Bagong Silang. Diese Woche ging schnell vorbei! Ich habe die letzten Einkäufe getätigt, den Flug bestätigt und im Internet eingecheckt.

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African Ladies – Evelyne

Ursprünglich veröffentlicht auf sabinewaldmannbrun:

“Yes, I can!” That sounds a bit like Obama, but it was Evelyne’s motto even before Obama was elected president. When she was born in Mathare 27 years ago, her father was a caretaker at church, and when his daughter had finished class 4 in school, she got a sponsorship for joining a boarding school. Great chance to get a good education, but hard life for the girl, who only saw her parents twice a year from now on. When she was 15 years old, Evelyne moved back to Nairobi with her brother and went to highschool. Being a good student she got a sponsorship again to become a lab technician, which was less expensive then nursing school, her first choice. But the sponsor ran out of money and Evelyne could not finish her studies. 2008 her brother got sick and died. This was a time when she reached her limits, she…

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Hilfe in der Peripherie der Stadt

Ein Bericht von Dr. Rainer Jurda über seinen Einsatz in Chittagong/Bangladesch

Das „MCPP“ (Medical Centre for the Poorest of the Poor) der German Doctors befindet sich in Chittagong zwar relativ zentrumsnah, doch die Patienten, die wir betreuen müssen weite Wege – oft einige Kilometer zu Fuß – zurücklegen. Sie kommen aus den umliegenden Slums. Die Hafenstadt Chittagong, immerhin die zweitgrößte Stadt in Bangladesch, wächst auf Grund der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung ständig, die Slums werden immer weiter an die Peripherie gedrängt. Unsere Patienten müssen immer weitere Wege zurücklegen. Die für uns billigen einfachen Transportmittel wie Fahrradrikscha sind für die meisten nicht bezahlbar.

Als Arzt im Einsatz

Ein kleiner Patient

Wir behandeln Patienten und verteilen Medikamente kostenfrei. Wegen der räumlichen und finanziellen Zwänge ist unser Angebot natürlich beschränkt. Wir haben die Möglichkeit notwendige Diagnostik in umliegenden medizinischen Einrichtungen zu nützen, in staatlichen oft kostenlos. Monatlich kommen ca. 250 neue Patienten zu uns, vorwiegend Mütter und Kinder. In einem speziellen Programm für unterernährte Kinder werden auch die Mütter betreut. Sie erfahren, wie Essen zubereitet wird, welche hier vorhandenen Nahrungsmittel es enthalten sollte und warum Stillen so notwendig ist.

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Als Arzt im Ebola-Gebiet

Ein Bericht von Dr. Teresa De La Torre und Dr. Dorian Jungmann über ihren Einsatz als Langzeitärzte in Serabu/Sierra Leone

In den letzten 3 Wochen haben wir in Serabu zum Glück keine Ebola-Fälle mehr in den benachbarten Dörfern gehabt. Immer wieder sind wir jedoch mit Verdachtsfällen konfrontiert, welche uns oft technisch, logistisch und auch ethisch bis an die Grenzen fordern. Leider fehlt es noch immer gerade in Situationen, in denen schnelle Unterstützung und Handeln notwendig ist, an Hilfe durch öffentliche Stellen. Positive ist zu berichten, dass internationale Hilfe vor Ort ist und diese Krise viele Menschen aus der ganzen Welt zusammengebracht hat, die alle ein Ziel haben, nämlich Ebola effektiv zu bekämpfen. Hier in Bo und Serabu sind nun z.B. auch das amerikanische CDC, das britische Militär und die Welthungerhilfe  aktiv, die uns alle nach ihren Möglichkeiten unterstützen.

Ebola in Sierra Leone

Ebola-Bekämpfung in Sierra Leone

Ein Fall der veranschaulicht, mit welcher Problematik wir konfrontiert sind, trug sich zum Beispiel am letzten Samstag zu: Gegen 14 Uhr klingelte das Telefon, ein CHO (Community Heallth Officer) meldet sich und berichtet, vor dem Krankenhaus wäre ein Mann abgelegt worden, sehr schlechter Zustand, nun seien die Anwohner beunruhigt, ob wir schnell kommen könnten.  Vor dem Tor lag ein ca. 35-jähriger Mann, schwer atmend, auf Zuruf keine Reaktion, keine Antwort. Diejenigen, welche ihn hierher gebracht haben, hatten sich aus dem Staub gemacht, es gibt keinen Namen, keine Herkunft, keine Krankengeschichte. Auch aus mehreren Metern Abstand ist klar zu sehen, dass dieser Mensch ohne medizinische Intervention sterben wird. Als Arzt möchte man sofort hin, helfen. Ebola verbietet dies. Wir müssen Abstand halten, der Bereich muss gesichert werden, schließlich rennen ja überall Kinder herum. Dann der Anruf bei der Ebola-Hotline, die eigentlich ein Ambulanz-Fahrzeug senden sollte. Herumgedruckse, ja man würde sich wieder melden. Uns allen ist klar, dies wird nicht passieren… Wir kommunizieren direkt mit dem Holding Center, ja der Patient solle aufjedenfall gebracht werden, also mit unserer eigenen Ambulanz. Zwei unserer Mitarbeiter ziehen sich Ebola-Schutzanzüge an, Chlor-Lösung wird hergestellt, die Ambulanz vorbereitet. Nachdem der Patient auf der Liege in das Fahrzeug gebracht werden kann, muss jetzt noch das gesamte Areal, der Krankenhauseingang, der Weg, mit Chlor dekontaminiert werden, dann das aufwändige Ablegen der Schutzanzüge. Als die Ambulanz endlich losfahren kann, ist eine Stunde vergangen. Am Ebola Holding Unit in Bo, zwei Stunden Fahrzeit später, angekommen, ist der Patient tot. Aufgrund der Ansteckungsgefahr ist der Patient während der Fahrt alleine im Krankenwagen, es gibt keine intravenöse Flüssigkeit und keine Wiederbelebungsmaßnahmen. Im Kontext von Ebola gibt es kein unüberlegtes Handeln: „Dein erster Fehler ist dein letzter Fehler“ hat hier jeder eingetrichtert bekommen. Hatte der  Patient Ebola? Wahrscheinlich nicht. Wegen Ebola ist er wahrscheinlich trotzdem gestorben.

Ebola-Helfer in Sierra Leone

Desinfektion ist wichtig und kann Leben retten

In Bo, der Distrikthauptstadt, möchte niemand den Leichnam haben. Im Holding Center werden keine Leichen angenommen, das Rote Kreuz, für die Beerdigungen von Ebola-Opfern eigentlich zuständig, hat Feierabend und ist für heute nicht mehr zuständig. Wir müssen 1 ½ Stunden mit der Leiche durch die Stadt fahren und den Direktor des Ebola Response Comitees kontaktieren, bis sich das zuständige Distriktkrankenhaus endlich bereit erklärt die Leiche anzunehmen, unsere Ambulanz zu dekontaminieren und am nächsten Tag eine Probe auf Ebola zu entnehmen sowie für die Beerdigung zu sorgen – so wie es eigentlich auf dem Papier klar geregelt ist. Hätten wir keinen direkten Draht zum Labor, würden wir wohl auch das Ergebnis des Testes nie oder nur sehr spät erfahren.

Transport von Ebola-Patienten

Ambulanz-Fahrzeug zum Transport von Ebola-Patienten

Trotz mittlerweile acht Monaten Ebola in Sierra Leone und auf dem Papier 100%iger Abdeckung mit Beerdigungsteams und Ambulanzen sind wir weiterhin wie oben beschrieben meist auf uns allein gestellt, wenn konkrete Unterstützung vonseiten offizieller Stellen nötig wäre. Bisher können wir mit Stolz sagen, dass das Krankenhaus in Serabu dank der großartigen Arbeit seiner Mitarbeiter und der Hilfe der German Doctors die Situation sehr gut gemeistert hat und auch in Zukunft seine Tore offenhalten und sein Bestes geben wird, um Menschenleben zu retten.

 

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Ein Arzteinsatz der Gegensätze

Ein Bericht von Dr. Christoph Niederberger über seinen Einsatz in Manila/Philippinen

Mein dritter Einsatz mit den German Doctors führte mich im November / Dezember 2014 auf die Philippinen – nach Manila und Mindoro. Während in der Mega-Metropole Manila Bewohner in den Slum-artigen Armensiedlungen betreut werden, sind es auf Mindoro die weit abgelegenen bergigen Gebiete der Mangyans, die durch die German Doctors medizinische Hilfe erhalten. Obschon die Gegensätze zwischen diesen beiden Einsatzgebieten nicht größer sein könnten, so begegnet man doch überall demselben: Menschen, die in bitterster Armut gerade knapp überleben können, uns Fremden gegenüber stets freundlich, offen und herzlich sind und dankbar für die Hilfe, die sie erhalten. Vor allem diese Begegnungen mit den Leuten, die unter so anderen Bedingungen als wir leben, machen diese Einsätze so spannend, herausfordernd und auch sinnvoll.

Junge Patientin in Manila

Mit einfachen Mitteln kann geholfen werden.

Drei Beispiele solcher Begegnungen:
Camia, 10-jährig, kommt in einer Armensiedlung von Manila zur Konsultation, da sie seit Tagen ihre Hände nicht mehr gebrauchen kann. Diese sind aufgeschwollen, stark schmerzhaft und an mehreren Stellen drückt Eiter durch die Haut. Seit 2 Tagen ist sie fiebrig und apathisch. Ein Blick auf die Hände der Mutter bestätigt, dass es sich um Krätze (Skabies) handeln dürfte, da auch die Hände der Mutter auf diese hier weit verbreitete Hautinfektion hindeuten. Bei Camia hingegen nimmt das ganze einen ungewöhnlich schweren Verlauf durch die aufgepfropfte bakterielle Infektion. Nun kommen einem die Vorbereitungsseminare und das Bluebook der German Doctors zugute, da man von zuhause ja kaum mehr Erfahrung in der Behandlung dieser Infektion hat. Zuerst gilt es die bakterielle Fieber-verursachende Infektion zu behandeln, bevor der eigentlichen Ursache, der Krätzmilbe zu Leibe gerückt werden kann. Erfreulicherweise geht es Camia bei der nächsten Kontrolle nach einer Woche Behandlung schon viel besser, sie ist fieberfrei, sehr dankbar, dass sie ihre Hände im Alltag wieder gebrauchen kann, doch stört noch der starke Juckreiz der zugrundeliegenden Krätze. Nun gilt es die gesamte Familie von Camia, die alle davon betroffen sind zu behandeln, damit es nicht erneut zu derartigen Komplikationen wie es Camia erlebte, kommen kann.

Die Müllberge von Payatas

Die Müllberge von Payatas.

Szenenwechsel: Payatas, der Stadtteil von Quezon/Manila, in welchem der gesamte Müll von Quezon, täglich 7000 Tonnen, deponiert wird. Tausende leben hier am Rande der Müllberge und verdienen ihren Lebensunterhalt durch das sammeln und sortieren des Mülls. Auch hier betreiben die German Doctors ein kleines Health Center als medizinische Anlaufstelle. Eine Mutter bringt die kleine Melody, knapp 4-jährig, 8,8 kg leicht, die zunehmend apathisch werde, immer dickere Beine und einen dickeren Bauch kriege und kaum mehr essen möge, zu uns. Es zeigt sich das Vollbild einer schweren Mangelernährung in Form von Kwashiorkor.

Unterernährung auf den Philippinen

Fehl- und Mangelernährung ist ein großes Problem.

Alle Versuche, der Mutter verständlich zu machen, dass das Kind in einer stationären Mal-Nutrition Abteilung behandelt werden sollte, da es vital gefährdet sei, scheitern. Sowohl sie wie ihr Mann arbeiten im Schichtbetrieb abwechselnd in den Mülldeponien und verdienen so zusammen 3 US$ / Tag. Das reicht gerade, um die 7-köpfige Familie knapp zu ernähren. Wenn einer der beiden Elternteile mit Melody Wochenlang im Krankenhaus weilen muss und in dieser Zeit nicht arbeiten kann, reicht es finanziell auch nicht mehr, die übrigen Kinder einigermaßen ernähren zu können. Auch keine Verwandten oder Nachbarn könnten als Begleitperson die kleine Melody im Krankenhaus betreuen. Um uns ihre Situation klar zu machen, lädt uns die Mutter zu einem Hausbesuch nach der Sprechstunde ein.

Armut auf den Philippinen

In Manila ist die Not teilweise groß.

Dabei wird uns das schier unvorstellbare Ausmaß der schwierigen Lebenssituation von Melodys Familie bewusst: Sieben Personen leben in einem knapp 3 x 3 m großen Raum, inmitten des am Tag gesammelten Mülls, kein fliessendes Wasser, kein Zugang zu einer Toilette, eine gemeinsame Schlafstätte für alle 7 Personen. Es bleibt schliesslich nichts anderes übrig als zu akzeptieren, dass die erforderliche notwendige Betreuung von Melody auf einer Mal-Nutrition-Abteilung unmöglich ist. Wir entscheiden uns, zu versuchen mit all den uns zur Verfügung stehenden Mitteln, dem Nahrungszusatz Plumpy‘nut, Vitaminsubstitution und Behandlung allfälliger Infekte und Entwurmung sowie engmaschiger Kontrollen, Melody zu retten … mit ungewissem Ausgang !

Szenenwechsel: Mindoro: paradiesisch hügelig – bergige Landschaft, saubere Flüsse, weitgehend unberührte Natur ! In dieser Gegend leben meist sehr abgelegen die Mangyans, Stämme der philippinischen Urbevölkerung, die kaum Kontakt zur „Außenwelt“ haben und eigene Sprachen und Schrift pflegen. Nur durch die Rolling Clinics der German Doctors erhalten sie Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung.

Rolling Clinic auf Mindoro

Mit der Rolling Clinic auf Mindoro.

Eine alte Mangyan – Frau, traditionell gekleidet mit dem einzig aus Baumrinde hergestellten Kleidungsstück kommt wegen eines zunehmend geschwollenen und geröteten Fusses zu uns. Nur mit Mühe kann sie noch drauf stehen. Es findet sich direkt hinter den Zehen ein Abszess und bereits eine kleine Inzision lässt einen über 2 cm langen Holzspriessen hervortreten. Die Mangyan-Frau ist darüber sehr erstaunt, da ihr keine Verletzung bewusst war. Vor allem aber ist sie äusserst dankbar, da sie es bereits in der eigenen Familie erlebt hat, dass man an den Folgen einer anfänglich banalen Fussverletzung sterben kann. Um ihrer Dankbarkeit für die Behandlung Ausdruck zu verleihen, anerbietet sie sich, dem begleitenden Zahnarzt und mir die Zukunft aus den Handlinien voraus zu sagen! Uns soll offensichtlich noch ein langes und glückliches Leben bevorstehen…

Patientin auf Mindoro

Ein besonderes Dankeschön einer Patientin…

Solche Begegnungen, verbunden mit dem Gefühl etwas Sinnvolles zu leisten, machen diese Einsätze mit den German Doctors immer wieder zu einer grossartigen und berührenden Erfahrung. Ich freue mich bereits auf den nächsten Einsatz.

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