Meine Zeit auf Mindoro

Ein Bericht von Frau Dr. Helga Lenschow über ihren Einsatz auf Mindoro/Philippinen

Zum 3. Mal auf den Philippinen , davon zum 2. Mal in Manila und auf der Insel Mindoro, da sind mir so manche Umstände nicht ganz unbekannt. Mit der Rolling Clinic zu den Mangyan-Dörfern unterwegs zu sein ist und bleibt dennoch für mich immer ein besonderes Erlebnis, auch wenn sich das alltägliche Leben der Mangyans uns im Verlauf des Arbeitstages nur wenig erschließt.

Ich war diesmal im Süden der Insel eingesetzt, mit festem Standort in Mansaly, und ich möchte über den Ablauf eines Tages dort berichten. Ein Tag meiner Arbeit läuft etwa wie folgt ab: Nach einer stundenmäßig ausreichend langen Nacht und dank Ohropax (bloß nicht vergessen) auch ausreichend Schlaf, fällt es mir nicht schwer, morgens um 6 Uhr dem kraftvollen Hähneruf nachzugeben. Anecita hat bereits für das Team unser Lunch gekocht und verteilt es gerade in die Gefäße zum Mitnehmen. Wir sitzen in der Küche beim gemeinsamen Frühstück und jeden Tag bin ich dankbar, dass ich auf großes Verständnis stoße und ganz deutsch Brot (Toast), Butter, Marmelade und auch den guten Eden-Käse und Kaffee haben kann. Alle anderen essen ein typisch philippinisches Frühstück, d. h. Reis mit gebratenem Fisch, Hähnchenteilen oder Schweinefleisch in Brühe .

Mindoro

Ein typisches Dorf der Mangyans

Das Auto ist gepackt und es geht um 7 Uhr los. Garry unser Fahrer umfährt in unbeirrbarer Ruhe die aufgestellten Absperrungen, die an Schulen zur Sicherheit der Kinder aufgestellt sind – und natürlich auch jeden Hund, der unverhofft noch langsam die Straße überquert.

Bald verlassen wir die sehr geschäftige Durchgangsstraße, und nun sind es meist unbefestigte Wege, nach Regen sehr ausgewaschen und holprig. Es geht bergan, am Morgen kommen uns auch da noch Kinder entgegen, die zur Schule wollen. Dann aber werden die Bilder von Schuluniformen immer weniger. Nach etwa einer ¾ Stunde sind wir in dem Dorf angekommen, heute ist es Calates. Ziemlich oben auf der Höhe, wo die Temperatur mir sehr entgegenkommt. Nachdem anfangs nur die Volontäre aus dem Dorf die Vorbereitungen für unsere Arbeit organisieren, finden sich allmählich die Patienten ein. Als erstes bringt ein junger Mann seine Frau mit zwei kleinen Kindern auf dem Motorrad. Und dann allmählich füllt sich unser „Warteraum“.

Hilfe für Mindoro

Ein junger Familienvater

Das Sprechzimmer ist heute in einer kleinen Hütte, separat von der Aufnahme und Pharmazie. Bis es richtig losgeht , habe ich Zeit, mir die Umgebung etwas näher anzuschauen, denn bei den Vorbereitungen der Sprechstunde ist man, selbst wenn man den guten Willen unbedingt zeigen möchte, eigentlich wenig hilfreich, da das Team so gut eingespielt ist, dass man sich allenfalls mit Tablettenabpacken nützlich machen kann. Die Lage dieses Dorfes oben auf der Höhe ist besonders reizvoll. Man hat von hier den Blick über weite Grünflächen bis zum Meer. Das bedeutet wiederum, dass die Wege zur Schule weit sein müssen, wenn überhaupt möglich, und die Wege zur Arbeit auf dem Feld auch sehr mühsam sind.

Rolling Clinic Mindoro

Unser Behandlungszimmer

Heute sind unter den Patienten zwei Männer, die Schnittverletzungen durch die Machete an der Hand haben. Die Ereignisse liegen Tage zurück, sie haben also immer weiter gearbeitet mit notdürftigem Verband. Außer Reinigen und sachgemäßem Verband, sowie dem Auffrischen der Tetanusimpfung bleibt uns nichts weiter zu tun. Jetzt kommt ein Patient mit „Augenproblemen“. Er hat ein Trachoma, die Symptomatik ist so typisch, wie in meinen Unterlagen. Das Augenlicht ist nahezu verloren, und um keine Chance zu verpassen, überweisen wir ihn zum Augenarzt. Heute sind viele Patienten wegen Hauterkrankungen und Harnwegsinfekten gekommen, und als Besonderheit zwei mit „Ohrproblemen“. Bei einem Patienten kann eine Kakerlake der kleinen Art, beim anderen eine Fliege aus dem Gehörgang geholt werden. Was man so alles erleben kann! Es gibt zum Glück nicht immer dramatische Begebenheiten.

Patient der German Doctors

Einer der vielen Patienten

Und dennoch erlebe ich nach einem manchmal arbeitsreichen Tag, dass gerade in der letzten Stunde, wenn man so ans Einpacken denkt, noch der eine oder andere mit Cough and Cold kommt, was so zum Alltag gehört – und dann ist es ein Patient mit einer ernsthaften Pneumonie.

Heute ist der Tag gut verlaufen. Wir hatten 82 Patienten, was nicht unbedingt die Regel ist. Und mit der guten Vorarbeit im Team kam auch keine Hektik auf. Das Einpacken geht mit Hilfe einiger Dorfbewohner ganz rasch und mit freundlicher Verabschiedung fahren wir zurück.

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Baraka – Hoffnung für Mathare

Ein Bericht von Frau Dr. Ursula Psyk über ihren Einsatz in Nairobi/Kenia

Kenia, der Name erweckt bei den meisten Deutschen Urlaubsgefühle: Sonne, Strand, Safari. Mit der Lebenswirklichkeit in Mathare, dem zweitgrößten Slum von Nairobi mit ca. 500.000 Einwohnern, hat das leider nichts zu tun. Die Menschen hier haben keine Chance, in einem der teuren kenianischen Nationalparks wilde Tiere zu erleben. Im Slum leben die Menschen von der Hand in den Mund. Häufig haben sie nicht einmal etwas zu essen. Sich medizinische Versorgung leisten zu können, daran ist erst recht nicht zu denken.

German Doctors Nairobi

Wartende Patienten in Baraka

German Doctors unterhält aus diesen Gründen seit 1997 in Mathare ein Healthcenter mit dem Namen Baraka, was auf Deutsch „Segen“ bedeutet. Hier finden Menschen wie die 18-jährige Grace menschliche und medizinische Unterstützung. Grace ist als zweite Ehefrau nach einem Jahr Ehe noch nicht schwanger. Grund genug für ihren Mann, ihr deshalb Vorwürfe zu machen. Dabei ist die Ursache des Problems die Tatsache, dass er sie mit HIV infiziert hat.

Aids in Kenia

Blutabnahme im Labor

Ein anderes Schicksal erschüttert meine fünf in Baraka arbeitenden Kollegen und mich. Die 19-jährige Margarete leidet an einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus und kommt in sehr bedrohlichem Zustand in die Ambulanz. Der Zucker ist entglitten, sie leidet an starken Bauchschmerzen durch einen stoffwechselbedingten Harnverhalt. Die Familie hatte kein Geld, um Insulin zu kaufen. Margarete hat drei Tage lang, dieses lebensnotwendige Medikament nicht spritzen können. Sie wird von uns nach der medizinischen Erstversorgung unverzüglich als Notfall mit unserem Ambulanzwagen in das naheliegende Krankenhaus gebracht.

Kind aus Kenia

Kind aus Mathare

Auch der 28-jährige Steven, sucht Hilfe bei mir: Seit einem halben Jahr wird er von einem traditionellem Heiler wegen des Verdachts auf Gelbfieber behandelt, einer Erkrankung die in Kenia sehr selten auftritt. Mittlerweile hat er 10 Kg abgenommen, leidet unter Fieberschüben und chronischen Durchfällen. Leider stelle ich bei ihm eine HIV-Erkrankung fest, Gelbfieber hatte er nie. Umgehend wird die antivirale Therapie bei dem jungen Mann gestartet.

HIV Kenia

Steven bei der Untersuchung

In der Baraka arbeiten ständig sechs Fachärzte aus Deutschland und fünf kenianische Clinical Officers interdisziplinär. Dank eines hervorragenden Labors und drei Ultraschallgeräten können wir einiges an Diagnostik durchführen. In einem Ambulanzraum ist es möglich Abszesse o.ä. zu operieren, Wundverbände anzulegen und zu gipsen. Täglich werden bis zu 350 Patienten betreut: Säuglinge, Kinder, Erwachsene, Alte und Schwangere.

Ambulanzfahrzeug Nairobi

Pfleger Gerald im Ambulanzwagen

Zusätzlich besuchen wir regelmäßig nicht mobile Patienten zu Hause. Diese Visiten in den ärmlichen, dunklen Behausungen ohne Elektrizität und fließend Wasser hinterlassen einen tiefen Eindruck bei mir; ich bin betroffen und voller Bewunderung für die Menschen, die unter solchen Verhältnissen ihr Leben meistern.

Mathare Valley Slum in Nairobi

Auf dem Weg zum Hausbesuch im Slum

Viele Erkrankungen in Baraka kennen wir deutschen Ärzte aus unserer Heimat, zusätzlich gilt es in Mathare auch viele Tropenerkrankungen wie z.B. Cholera, Typhus, Malaria oder Amöbenabszesse zu erkennen und zu behandeln. Kindern wie dem kleinen Derrick mit angeborener Sichelzellanämie kann geholfen werden, in dem die Infektneigung und die Schmerzhäufigkeit medikamentös reduziert wird.

Kinder in Kenia

Derrick mit seiner Mutter

Eine häufige Erkrankung in Mathare ist die Tuberkulose. Nicht immer äußert sie sich durch Husten bei Lungenbefall, sondern auch durch Lymphknotenvergrößerungen wie bei Daruta, einem 20-jährigen Flüchtlingsmädchen aus Somalia, das hier im Slum Zuflucht gefunden hat. Den mandarinengroßen Lymphknoten hatte sie schon vor mehreren Monaten bemerkt, besaß aber kein Geld für die Abklärung. Dank der German Doctors hat sie nun nahezu kostenlosen Zugang zur Diagnostik und Behandlung.

Patienten in Nairobi

Meine Patientin Daruta

Immer wieder werden meine Kollegen und ich mit Leidenswegen konfrontiert, die in Europa undenkbar sind, wie z.B. die Krankengeschichte von Gloria, einem 14-jährigen Mädchen, deren Schwangerschaft sich zu einer Blasenmole entwickelt hatte und in den staatlichen Krankenhäusern nicht behandelt wurde, da die Familie kein Geld für die Therapie hat. Durch uns erhielt sie die Möglichkeit, in einer Privatklinik versorgt zu werden.

Sonographie Nairobi

Sonographiebild von Gloria

Leider werden wir German Doctors nicht allen Patienten im Slum von Mathare helfen können. Neben der medizinischen Hilfe bringt das Healthcenter noch etwas sehr Wichtiges in diesen armen Teil der Welt: Hoffnung.

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Bergfest in Buda

Ursprünglich veröffentlicht auf doktormarikki:

Halbzeit

Wahnsinn………….es ist Halbzeit.

Das bedeutet, dass ich schon seit 21 Tagen in Buda bin.

Ok, richtig angefangen zu arbeiten habe ich nicht am 1. Tag, aber trotz alledem: Kinder, wie die Zeit vergeht ;) – hätte meine Oma gesagt. Und es stimmt. 3 Wochen rum und 3 Wochen kommen noch.

Es sind drei Wochen in einer anderen Welt, drei Wochen in denen ich bisher gesehen habe wie die medizinische Versorgung auf einem Basis-Level gut funktioniert. Mit Grenzen, aber das wäre ja auch komisch, wenn es anders wäre.

Zwei sicherlich große Unterschiede zum Krankenhaus-Alltag und dem 0815-Krankenhaus in Deutschland sind die TB-Ward (Tuberkulose-Station) und Malnutrition-Ward (Station für unterernährte Kinder). Auf der TB-Ward liegen die Patienten, die eine komplizierende Diagnose haben wie zum Beispiel eine Lungenentzündung oder Knochenbefall. Die Tb-Ward und auch die gesamten Strukturen dazu (Ambulanz, Therapieraum) liegen in einem separaten Gebäude. Dazu gehört auch die Sputum-Collection-Area.

Sputum Collection Area

Ja, ihr habt…

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Erster Einsatz in Nairobi

Ein Bericht von Dr. Reinhild Allhoff über ihren Einsatz in Nairobi/Kenia

Zur Vorbereitungslektüre für diesen lang erhofften Einsatz gehörte auch ein vor Jahren auf einem Seminar erworbenes Buch unseres Kollegen Dr. Eike Uhlich: „Briefe aus zwei Welten“, welches in wunderbarer Sprache seine Erfahrungen im Baraka Health Center in Nairobi vor vierzehn Jahren beschreibt.

Vieles hat sich geändert, einiges ist geblieben. Zum Beispiel Feeding Rose,die Mutter und Seele des Ernährungprojektes.

Die neue Wohnung der Ärzte liegt jetzt erstaunlicherweise auch zwischen zwei Welten. Der Bungalow befindet sich auf dem Gelände des mit einem bewässerten Park umgebenen Utalii Hotels, mit Schwimmbad und Tennisplatz. Vom Garten geht der Blick hinunter ins Tal der Wellblechhütten, in welchem geschätzte fünfhunderttausend Menschen ohne Wasserversorgung leben.

Mathare Valley Slum in Kenia

Buntes Treiben auf dem Markt

Mein Empfang in Nairobi war gelungen. In klarer Morgensonne finde ich den Fahrer Ben mit seinem Schild am Flughafen. In der Wohnung haben die anwesenden Kollegen den Frühstückstisch gedeckt, und eine Einladung zu einem Besuch auf Pater Peter Meisenbergs Farm im Süden von Nairobi auf dem Sonntagsprogramm.

Die ersten Tage in der Ambulanz sind erwartungsgemäß anstrengend. In den Wartehallen und draußen drängen sich um die dreihundert bis fünfhundert, zum Teil von weit angereiste Patienten. Die Zeit vergeht im Fluge bis die Gesichter der engsten Mitarbeiter vertraut sind und die vielen Gässchen und Flure auch. Da hilft mir jetzt mein Tagebuch beim Sortieren der vielen Eindrücke sehr.

Mathare Valley Slum Nairobi

Mathare Valley Slum

Viel Aufregung und anfängliche Unsicherheit wird aufgefangen durch die gute Zusammenarbeit im gesamten Team der Kollegen, Übersetzerinnen, KrankenpflegerInnen und SozialarbeiterInnen. Ich habe es gut angetroffen. Dr. Friederike, ein „alter Hase“ im Projekt Baraka, sitzt im Nachbarzimmer und führt mich ein. Da sie gut Kisuaheli spricht, ist der Kontakt zu den Patienten unmittelbar und macht Mut, die Sprache zu lernen. Die Übersetzerinnen machen gerne mit. Jane Rose war eine besonders gute und fröhliche Lehrerin. Die Fröhlichkeit der Mitarbeiter im Projekt hat mich vom ersten Tag an fasziniert und fasziniert bin ich geblieben auch von Ihrer Geduld und Ausdauer an langen Arbeitstagen.

German Doctors Nairobi

Übersetzerin Jane Rose bei der Arbeit

Einige Begegnungen haben mich besonders betroffen gemacht. So z.B. die mit einer jungen Frau, von weit angereist wegen Fieber und Durchfall. Auch Ihr kleiner Sohn ist krank. Sie ist sehr dünn, schlicht gekleidet und trägt das Baby unter einem Schal. Die weite Reise hat sie angetreten, auf ärztliche Untersuchung und Verständnis hoffend. Die Blutergebisse zeigen eine hochaktive Malaria und ernsthafte Anämie, auch des Kindes. Die Behandlung erfolgt sofort unter Anleitung und Kontrolle der Apotheke, da sie einige Tage dauert, wohnen beide Patienten bei „Verwandten“ im Slum.

Malaria in Nairobi

Malaria in Nairobi

Ein alter Mann, mit seinem besten Anzug – ein wenig geflickt – gekleidet ist nach der Untersuchung seiner Hautekzeme und Beratung so dankbar, dass ihm die Tränen nur so von den Wangen rollen.“He is very content and now we are too!” lacht Jane Rose und drückt ihm die Hand.

Vor diesem Einsatz in Nairobi habe ich das klinische Bild der Aidserkrankung nur selten sehen können. Durch die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen konnte ich in diesen Wochen viel über Symptomatik und Therapie dieser Krankheit lernen, besonders die unterschiedlichen Erscheinugsformen der opportunistischen Infektionen und Hautkrebserkrankungen. Das HIV-Programm hier in Kenia habe ich als vorbildlich organisiert erlebt. Ein positiv getesteter Patient wird sofort zur Beratungsstelle der Continuous Care Clinik begleitet und persönlich vorgestellt.

Welch große Verantwortung die Berater im Projekt tragen, konnte ich an einem jungen Patienten erfahren. Er kam wegen Husten, von weit angereist. Nach positiver Testung wurde er zu Benjamin geführt, ihm war er schon bekannt. Das bedeutet, der junge Patient hatte sich aus dem Staub gemacht. Kein Vorwurf, keine Ermahnung, sondern freundliche, ernste Begrüßung und Beginn einer eindringlichen Beratung.

HIV-Programm in Nairobi

HIV-Programm in Nairobi

Eine junge Mutter wurde in mein Zimmer mehr getragen als gestützt. Sie ist nach Testung positiv, auch bereits bekannt. Die untergewichtige Patientin kann nicht mehr trinken. Sie muss in ein Hospital. Bis ein Klinikbett gesichert, Überweisung und Transport angelaufen sind, vergehen trotz großer Bemühungen Stunden. An diesem Tag regnete es so unaufhörlich, dass wir am Abend selbst mit einem Ambulanzwagen nach Hause fahren mussten. Das Wasser lief durch die Lüftung auf unsere Köpfe.

Slum Nairobi

Die Rückfahrt im Regen

Enden will ich mit einem aufrichtigen Dank an alle Mitarbeiter und besonders an Jane Rose, meine fröhliche Übersetzerin. Der Widmung Eike Uhlichs schließe ich mich gerne an: Vergeßt die vielen Frauen nicht.

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„Here we are!“

Ein Bericht von Dr. Anno Diemer über seinen Einsatz auf Mindoro/Philippinen

Eigentlich wollte ich gar nicht nach Mindoro. Vielmehr hatte ich mich für einen anderen Einsatz beworben, aber daraus wurde zu diesem Zeitpunkt leider nichts. Dann ergab sich die Notwendigkeit der Arztvertretung ausgerechnet für das Manila-Mindoro-Projekt und für Januar-März 2015. Da ich für diese Zeit keine Verpflichtungen hatte, übernahm ich die Vertretung und war natürlich erst recht gespannt, vor allem auf die Ureinwohner von Mindoro, die Mangyans. Im Internet erfuhr ich, dass diese etwa 8 Stämme bilden und noch etwa 100.000 Personen zählen, also etwa ein Zehntel der Inselbevölkerung von Mindoro stellen. Und es musste eine extrem friedliebende Bevölkerung sein, die gleichwohl in der Geschichte von muslimischen Sklavenjägern, spanischen Eroberern und Goldsuchern – der Name „Mindoro“ soll vom spanischen „mina de oro“ = „Goldbergwerk“ abgeleitet sein – und anderen stets viel Gewalt erfahren hatte und daher in die Unzugänglichkeit des zentralen Gebirges, gut 2.600 m hoch, geflüchtet war. Bis heute hätten sie dort eine urtümliche Lebensform mit Jagen, Sammeln und etwas Trockenreisanbau und auch eine sehr einfache Bekleidung bewahrt.

Auf Mindoro bieten die German Doctors seit vielen Jahren Basismedizin an, außer den staatlichen Impf- und halbjährlichen Entwurmungskampagnen die einzige quasi hausärztliche Versorgung überhaupt. Von der rührigen Langzeitärztin Dr. Fe „Pinky“ kommt viel allgemeine und klinische Information. So erfahre ich, dass es auf Mindoro mehrere Nord- und Südrouten gibt, die von zwei “staff houses“ aus betrieben werden.

Mein Flug ist tadellos, das Finden des “accredited taxi“ etwas schwierig, und vor allem kennt sich der Fahrer in Bagong Silang nicht aus. Abholung durch einen entsprechenden Dienst ist wünschenswert! Auf der fast dreistündigen Fahrt viel Stau, einige Slums, viele Hochhäuser, viele Papst-Franziskus-Plakate, da sein Besuch erst ein paar Tage zurückliegt. In Manila habe ich eine Woche lang Dienst in verschiedenen Slums und in der Ambulanz des Health Center, wo die Ärzte auch wohnen. Das ist zu viel Wechsel, um die Bereiche besser kennenzulernen. Die Atmosphäre im Center ist sehr freundlich. Am 2. Tag erfahre ich beim Essen aber von einem blutigen Überfall durch radikal muslimische Angreifer mit über 40 toten philippinischen Elitesoldaten auf Mindanao, leider aber wenig Genaues, und danach scheint Nachrichtensperre zu sein. Am selben Tag gibt es eine echte Live-Gesangsdarbietung zu meiner und zur Ehre der beiden Kolleginnen Gudrun und Helga, die auch gerade angekommen sind, mit dem Mitarbeiterinnen-Chor des Centers, Dr. Pinky und schwungvoller Gitarrenbegleitung. Dann müssen wir Neuen über uns und unsere Motivation berichten und viele Fragen beantworten.

German Doctors Philippinen

Untersuchung auf der Rolling Clinic

Nach einer Woche geht es für mich nach Mindoro, zunächst in stundenlanger Busfahrt zum Hafen von Batangas an der Küste. Hier erwische ich die ehrwürdige, aber schon stark verrostete Fähre „Maria Oliva“ der „Montenegro“-Reederei. Da die See ruhig ist, haben wir eine gute Überfahrt, aber für spätere Fahrten ziehe ich die deutlich besser aussehende „Fast cat“ oder „Super cat“ doch vor. In Calapan auf Mindoro treffe ich sofort auf Rolando, den liebenswürdigen Fahrer vom Team der Nordgruppe, mit seinem schneeweißen Ford Ranger. Das staff house liegt nicht sehr weit weg, aber etwas versteckt. Hier begrüßt mich zuerst Leocelyn, die immer hilfsbereite und sehr aktive Stationsleitung und erprobte Köchin, während das übrige Team am nächsten Morgen komplett ist.

Mein Einsatz umfasst 2 Runden “rolling clinic“ im Norden von Mindoro von 5 bzw. 9 Tagen und eine Runde von 9 Tagen im Süden. Dann geht es zu 5 geht los. Der Weg ins Inselinnere von Calapan aus führt durch ein flaches, später bergiges Land der vielen Grüntöne – Reisfelder, Wiesen, Bananenpflanzen und Wald, manchmal der Gipfelgrat zwischen den Wolken. Es geht durch viele kleine Orte, vorbei an einigen großen Schulzentren mit Stiftertafeln – manchmal sehen wir viele Jungen und Mädchen in Schuluniform in und auf dem Dach von Jeepneys -, dann durch Bananen- und Kokosnußplantagen an den Fuß der Berge. Die Schwierigkeiten für den Fahrer nehmen zu, Rolando wird mit allen Tücken der rutschigen, steilen und steinigen und manchmal überfluteten Piste souverän fertig, um dann irgendwann mitten in der Natur vor einer weiß-roten älteren Hängebrücke anzuhalten: “Here we are!“ Dort gibt es nur eine winzige strohgedeckte Hütte mit einem Raum. Zunächst laufen wir alle über die schwankende und rostige, aber noch stabile Brücke, um im Dorf die frohe Kunde von unserer Ankunft zu verbreiten.

Rolling Clinic Philippinen

Auf dem Weg nach Baras im Norden von Mindoro

Etwa in Dorfmitte ein rechteckiger betonierter Spielplatz mit Basketballkörben, trotz der sommerlichen Temperaturen eifrige Tor- bzw. Korbjäger, die geschickt den allgegenwärtigen Kleinkindern, Schweinen und Hunden ausweichen. Rings umher kleine, teils offene Hütten, viele mit Geflechtmatten bedeckt. Teils sind die Dächer aus Wellblech und teils aus Cogongras und Palmblättern. Vereinzelt werben Plakate für Politiker von vorgestern, wir entdecken auch die bekannten weiß-grünen Plakate der German Doctors mit den Daten unseres Besuches. In diesem Iraya-Ort hatte Rebeca, meine Übersetzerin, Familienangehörige – willkommene Gelegenheit zu einem kurzen Wiedersehen. Kein Wunder, dass es keine Sprachhürden im Mangyanland geben würde! So oder ähnlich, wenn auch viel kleiner sah ich viele Dörfer dieser Menschen.

German Doctors auf Mindoro

Beschwerliche Fahrt

30 Minuten später ist die kleine Hütte mit Stoffbahnen, viel Tatkraft und Phantasie so umgerüstet, dass sie allen Anforderungen gerecht wird, und die Sprechstunde auf 4 qm kann beginnen. Viele Familien kommen mit drei oder mehr Kindern, die Frauen oft in traditioneller gemusterter Kleidung. Bei Jungen ab etwa 6 Jahren und den oft nur mit Hemd und einem Lendentuch bekleideten Männern ist eine große Machete, in einer Holzscheide sicher umgehängt, offenbar unverzichtbar. Parallel hören wir von draußen die kräftige Stimme von Cecile, die Unterricht für die interessierten Wartenden erteilt. Heute ist „Family Planning“ angesagt. In manchen Orten erinnert buntes Treiben mit vielen Zuschauern an einen Jahrmarkt, vor allem braucht sich der Zahnarzt nicht über Mangel an Interesse zu beklagen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Missverständnisse es trotz der doppelten Sprachbarriere gibt, und froh, dank des ersten Einsatzes in Mindanao schon erste Erfahrungen mit der philippinischen Mentalität gemacht zu haben.

Schulung der Patienten

Fortbildung durch Rebeca

Das Krankheitsspektrum ist umfassend, an einigen Standorten aber gibt es auffallend viele Hautpilzerkrankungen, an anderen Malnutrition, also mittelschwere bis schwere Mangelernährung bei Kindern. Neben den vielen Luftwegsinfekten („cough and cold“) leiden viele Kinder unter Wurmbefall und Krätze; häufig sind ferner Asthmaerkrankungen in allen Lebensaltern und natürlich vielfältige Infektionen und viele chronisch kranke Patienten unter Dauertherapie. Die machen die wenigsten Probleme, unbefriedigend erscheint mir die Situation vieler Menschen mit Verschleißkrankheiten der Wirbelsäule und Gelenke, denen wir nur eine vorübergehende Linderung verschaffen können. Auf ihre schwere körperliche Arbeit sind sie nun einmal angewiesen, und wirksame physikalische Therapien oder Hilfsmittel sind nicht in Sicht. Einige berichten, dass sie bereits von einer Nachbarin Massage erhalten als willkommene Selbsthilfe. Bei den Dermatophyten und den dadurch ausgelösten Tinea-Erkrankungen der Haut verzeichnen wir auffallend viele therapieresistente Befunde und Rückfälle, die mit den Bordmitteln anders als früher leider nicht mehr wirklich kurativ behandelt werden können. Hier muss ich auf symptomatische Maßnahmen zurückgreifen.

Trotzdem gibt es überwiegend positive Erfahrungen. So sehe ich bei der ersten Nordrunde an einem Ort zwei schwer kranke Kinder, in Europa ein klarer Fall fürs Hospital. Das eine ist ein Säugling mit massiv superinfizierter seborrhoischer Dermatitis vor allem im Gesicht und Hals, das andere ein etwa 10-jähriger Junge mit schwerem Asthma. Hier muss alles, was vorhanden ist, auch zum Einsatz kommen. Die Eltern sind nur dazu zu bewegen, bei einer Verschlechterung ins Regionalhospital zu kommen – ein Tag Fußmarsch wäre das. . . Wie groß ist meine Erleichterung, als ich beide Kinder beim zweiten Besuch eine Woche später wieder sehe und beide gut gebessert vorfinde! An einem anderen Ort sehe ich eine Frau mit einer stark juckenden und massiven Hautflechte, langfristig nicht zur Rückbildung gebracht. Hier kann die Therapie noch intensiviert werden. Auch sie stellt sich bei der zweiten Runde wieder vor, obwohl nicht einbestellt – nur, um sich beim Team für die gute Behandlung zu bedanken: vor allem hat das Jucken aufgehört! Für dieses Treffen hat sie erneut den Fußweg von mehr als zwei Stunden auf sich genommen. Überhaupt haben wir ganz viel Dankbarkeit erfahren, auch jenseits der medizinischen Hilfe. Auf der Südroute treffe ich in einem kleinen Dorf eine Mangyanfrau, die selbst Stoffe am Webstuhl herstellt, und kann ihr ein schönes Stück zum gewünschten Preis abkaufen. Am nächsten Tag bekomme ich dann, überbracht von einer Frau aus dem RC-Team, ein von dieser Weberin selbstgemachtes Armband aus kleinen Perlen, verziert mit meinem Namen, das ich nicht bezahlen darf. . .

Mindoro

Das Dorf Latanyang im Norden

So sehe ich in meinem Einsatz weit über 1.100 Patienten, und auch unser Zahnarzt im Inselsüden, „Dr. Heinz“ genannt, ist gut ausgelastet. Sehr bereichernd finde ich die Zusammenarbeit mit ihm; gegenseitig können wir uns täglich spannende klinische Befunde am Patienten zeigen. Mich beeindrucken besonders die vielen kariös zerstörten Gebisse, durch Betelkauen total schwarze Zähne und bizarre Fehlstellungen. Ein herzlicher Dank auch an ihn und an die beiden großartigen Teams im Norden und Süden von Mindoro! Leider ist die letzte Woche für „Dr. Heinz“ und mich mühsam, da wir beide an einer heftigen Bronchitis erkranken. Dabei lerne ich den legendären Hustentee aus Lagundiblättern, das landesweit altbewährte Heilmittel der Philippinen, kennen: täglich frische Blätter pflücken, mindestens 10 Minuten ziehen lassen, heiß trinken – extrem bitter (da leider ohne Honig serviert), aber effektiv. Aber vielleicht muss eine gute Medizin ja auch bitter schmecken . . .

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Wer sind die Sextouristen?

Ein Bericht von Dr. Harald Kischlat, Vorstand der German Doctors, über seinen Projektbesuch auf den Philippinen

Bei meinem Besuch unseres Projektes in Cagayan de Oro, Philippinen, habe ich natürlich auch unser Malisa Home besucht, ein Heim für Mädchen, die von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung betroffen waren. Im Zusammenhang mit dem Malisa Home arbeiten wir eng mit der Selbsthilfeorganisation Tisaka zusammen. Die Frauen von Tisaka, zum größten Teil ehemalige Prostituierte, gehen jeden Abend durch die Straßen und in die Clubs, um den Mädchen, die dort ihren Körper verkaufen müssen, ihre Rechte aufzuzeigen und um zu verhindern, dass sie – aus vielerlei Gründen – selber anfangen, ihre Freundinnen, ihre Schwestern zu prostituieren.

Philippinen Sextourismus - Malisa Home

Das Malisa Home der German Doctors

Auf den Philippinen ist Sextourismus ein großes Problem. An einem der Abende während meines Besuchs begleiten wir die Frauen von Tisaka in einen der Clubs. Etwa 15 Mädchen und einige Jungs, die sich als Mädchen kleiden, kommen in einen der größeren „privat rooms“ und hören sich die Schulung von Tisaka an. Sie sind alle noch sehr jung, ein Großteil mit Sicherheit noch nicht volljährig. Der Club ist ein mieser, heruntergekommener, stinkender Laden. Im Erdgeschoss eine billige Bar mit Tanzfläche, auf der die Mädchen später am Abend tanzen werden. Im ersten Stock Zimmer verschiedener Größe, zum Teil mit Monitoren, alle mit Sofas, alle speckig, alles irgendwie eklig.

Damit die Frauen von Tisaka überhaupt die Chance haben, in einem solchen Club ihre Schulung abzuhalten, müssen sie recht früh am Abend da sein. Bei unserem Besuch sehen wir deshalb noch keine Kunden, sie werden erst später kommen. So bleibt die Frage, die mir die ganze Zeit im Kopf herumschwirrt, an diesem Abend unbeantwortet: Was sind das eigentlich für Männer, die hierhin kommen? Die dafür bezahlen, dass junge Mädchen ihnen in dieser Umgebung zu Willen sein müssen? Deren Geld der Grund ist, warum das alles passiert: Menschenhandel, Verschuldung, Sklaverei, Gewalt. Die zerstörten Seelen dieser Mädchen und Jungs sind dabei nur ein Abfallprodukt dieser Geldmaschine, deren Treibstoff die Gier und die krankhafte Lust von Männern sind. Was für Männer sind das, die als Sextouristen die Philippinen besuchen?

Sextourismus auf den Philippinen

Die Organisation Tisaka bekämpt die Folgen des Sextourismus auf den Philippinen

Am nächsten Tag treffe ich zufällig zwei dieser Männer. Wir fliegen zuerst von Manila nach Abu Dhabi, dann von dort nach Frankfurt. Beim Anschlussflug von Abu Dhabi sitzen die Beiden neben mir: Einer groß, mittelalt, über-übergewichtig und nicht sonderlich gepflegt, der andere im Rentenalter, gekleidet mit praktischer Reiseweste. Der eine, der Ungepflegte, kommt gerade aus Thailand zurück, wo er vier Monate im Jahr verbringt, der andere hat vier Wochen in Sri Lanka Urlaub gemacht. Der Schmierige duzt den älteren Herren gleich. „Woher kommst Du? Wo warst Du? Wie ist das Essen in Sri Lanka? Was sind die da alle? Hindus?“ „Nein, so Buddhisten.“ „Und die Mädchen? Wie kommt man an die ran? Selber nicht, ne?“ „Immer über die Typen, über die Taxifahrer und so.“ „Und ich sag’ Dir mal was, also, ich bin ja nicht schwul, aber die Ladyboys in Thailand sind auch nicht schlecht, die wissen ja am besten, was man als Mann so will…“

Mir reicht‘s! Ich beuge mich rüber und sage genau das. „Was denn?“ Ich erkläre, dass ich gerade bei einer Organisation war, die Minderjährige aus diesem Sumpf herausholt, und dass ich das nicht hören will. „Ah, bist wohl von `ner NGO? Ja, toll, die NGOs. Weißte, das sind No Government Organisationen. Die kenne ich, die Typen. Weißte, die haben immer die schicksten Häuser, und was die für Autos fahren, NGOs, ach erzähl mir doch nichts.“

Mal abgesehen davon, dass es ja nichts an seinem frauen- und damit menschenverachtenden Verhalten ändert, wenn NGOs tolle Büros oder große Autos haben, ist er damit bei uns eh an der falschen Adresse. Egal. Das Gespräch ist jedenfalls beendet. Der Rentner schaut etwas peinlich berührt in die andere Richtung, der Ungepflegte brummelt noch ein bisschen rum, hält aber auch bald ganz den Mund.

Das Deprimierendste daran ist, dass diese Männer – wie so unendlich viele andere – augenscheinlich zu dumm sind, zu begreifen, was sie tun. Dass sie glauben – weil sie es glauben wollen – dass es für die Mädchen nicht schlimm ist, sich jeden Tag den Wünschen unzähliger fremder Männer beugen zu müssen. Dass sie nicht sehen, dass es beim Sextourismus um Gewalt und moderne Sklaverei geht. Dass sie so wenig begreifen, dass sie sogar im Flugzeug bei einem Gespräch zwischen Fremden ganz einfach und locker darüber reden. So, wie andere über die billigen Ledertaschen-Imitate, die sie bei der Türkeirundreise so günstig erstanden haben. Dass sie einfach gar nichts von alledem kapieren. Und dass sie daheim in Speyer vielleicht ganz nette Nachbarn sind. Es ist – mit Verlaub – zum Kotzen.

Hat es irgendeinen Sinn, mit solchen Männern darüber ausführlicher zu reden? Ich weiß es nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen – erst recht nicht nach dem jüngsten Erlebnis auf dem Flieger. Wenn diese Männer Straftaten begehen, müssen sie dafür bestraft werden. Hoffentlich wird das immer häufiger passieren. Aber es hat auf jeden Fall Sinn, vor Ort, in den Dörfern Aufklärung zu betreiben, damit keine Familie mehr auf die falschen Versprechungen der Schlepper hereinfällt. Es hat Sinn, Tisaka weiter zu unterstützen, damit sie in die Clubs gehen, um die Mädchen und Jungs über ihre Rechte aufzuklären. Damit sie für sie da sind. Damit sie weiter ihr Drop-In-Center aufrecht erhalten können, in dem die Mädchen von der Straße wenigstens für ein paar Stunden Ruhe und ehrliche Zuwendung finden. Und es hat Sinn, unser Malisa Home weiter zu betreiben, damit es einen sicheren Ort für Mädchen gibt, die Opfer von Menschenhandel und solchen Männern geworden sind, wie ich sie zuletzt erleben musste.

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Auf Mindoro im Einsatz

Ein Bericht von Dr. Franz Marquart über seinen Einsatz auf Mindoro/Philippinen

Bei meinem zweiten Einsatz auf den Philippinen (erster Einsatz 2013 in Cebu) war ich 4 Wochen in Manila und 2 Wochen auf Mindoro. Auf Mindoro war ich für die “Nordtour” eingeteilt. Unser Quartier war in Calapan, dem Hauptort der Insel, wo wir in einem ordentlichen Haus mit eigenem Zimmer, mit WLan-Anschluss und mit Gemeinschaftsdusche wohnten.Das Team bestand aus Leocelyn, der Leiterin, Rachel, meiner Übersetzerin, Cecilia, zuständig für die Aufnahme, Elgean, zuständig für die Apotheke, und Rolando, dem Fahrer.

Wir hatten einen relativ neuen Ford-Geländewagen zur Verfügung, der sich bei unseren abenteuerlichen Fahrten in die Berge Mindoros bestens bewährte. Täglich steuerten wir andere Dörfer vor und in den Bergen an, die Anfahrtszeit betrug wegen der schlechten Straßenverhältnisse bis zu 2 Stunden. Unsere Konsultationsräume waren meist strohgedeckte Hütten, wo wir mit Vorhängen unseren Untersuchungsbereich abschirmten.

Einsatzarzt Dr. Marquart

Einsatzarzt Dr. Marquart

Auf Mindoro leben die Mangyans, eine indigene Bevölkerung, in sehr einfachen Verhältnissen. Soweit ich es beurteilen kann, ist die Regierung der Philippinen bemüht, deren Bildungsstandard durch den Bau von Schulen und die gesundheitliche Versorgung dieser Menschen zu verbessern. Auch die katholische Kirche, insbesondere die Steyler Missionare, engagiert sich hier.

Mangyans

Auf Mindoro leben hauptsächlich die Mangyans

Bei unseren Besuchen in den Bergdörfern waren wir immer von zahlreichen Besuchern, besonders auch Kindern, umringt, für die der Besuch des Arztes ein besonderes Ereignis darstellt. Die Aufnahme ist rasch überfüllt, die Kinder werden gemessen und gewogen, und die erwachsenen Patienten, meist Mütter mit ihren Kindern, warten geduldig, bis sie aufgerufen werden. Es gibt überwiegend Erkältungs-, Durchfall- und Hauterkrankungen, einige Kinder auch mit schwerer Unterernährung. So wog z.B. ein 2-monatiges Kind 2400g, die Mutter krank, wahrscheinlich Tuberkulose, zu Hause noch 8 Geschwister, die von der Großmutter versorgt werden. Bei den Erwachsenen gab es neben Wundversorgungen v.a. Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes mellitus, chronisches Ekzem, COPD und auch einzelne Fälle mit Tumorverdacht. Insgesamt hatte ich aber den Eindruck, dass die Mangyans trotz sehr einfacher Lebensbedingungen ein gesundes Völkchen sind.

Unterernährung Philippinen

Immer wieder unterernährte Kinder

Auf Mindoro überraschte uns ein schwerer Taifun, den wir in unserem gemauerten Quartier trotz schweren Sturms und sintflutartiger Regenfälle sehr gut “abwettern” konnten. Die Mangyans wurden vor Taifun Hagupit von den Behörden aus ihren Bergdörfern evakuiert und in Schulen, Turn- und Basketballhallen untergebracht, wo wir sie ärztlich versorgten.

Taifun Hagupit

Nach Taifun Hagupit

Mein Fazit: Es war wieder ein höchst interessanter und bewegender Einsatz. Die Mangyans sind sehr freundliche, offene, dankbare Patienten, die sicherlich weiterhin unserer medizinischen Hilfe bedürfen. Hier lohnt sich der Einsatz, auch was die Zahl der Patienten anbelangt. Die Insel ist grün, die Natur prächtig, auch wenn wir viele Regentage ertragen mussten.

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