Hilfe in der Peripherie der Stadt

Ein Bericht von Dr. Rainer Jurda über seinen Einsatz in Chittagong/Bangladesch

Das „MCPP“ (Medical Centre for the Poorest of the Poor) der German Doctors befindet sich in Chittagong zwar relativ zentrumsnah, doch die Patienten, die wir betreuen müssen weite Wege – oft einige Kilometer zu Fuß – zurücklegen. Sie kommen aus den umliegenden Slums. Die Hafenstadt Chittagong, immerhin die zweitgrößte Stadt in Bangladesch, wächst auf Grund der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung ständig, die Slums werden immer weiter an die Peripherie gedrängt. Unsere Patienten müssen immer weitere Wege zurücklegen. Die für uns billigen einfachen Transportmittel wie Fahrradrikscha sind für die meisten nicht bezahlbar.

Als Arzt im Einsatz

Ein kleiner Patient

Wir behandeln Patienten und verteilen Medikamente kostenfrei. Wegen der räumlichen und finanziellen Zwänge ist unser Angebot natürlich beschränkt. Wir haben die Möglichkeit notwendige Diagnostik in umliegenden medizinischen Einrichtungen zu nützen, in staatlichen oft kostenlos. Monatlich kommen ca. 250 neue Patienten zu uns, vorwiegend Mütter und Kinder. In einem speziellen Programm für unterernährte Kinder werden auch die Mütter betreut. Sie erfahren, wie Essen zubereitet wird, welche hier vorhandenen Nahrungsmittel es enthalten sollte und warum Stillen so notwendig ist.

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Als Arzt im Ebola-Gebiet

Ein Bericht von Dr. Teresa De La Torre und Dr. Dorian Jungmann über ihren Einsatz als Langzeitärzte in Serabu/Sierra Leone

In den letzten 3 Wochen haben wir in Serabu zum Glück keine Ebola-Fälle mehr in den benachbarten Dörfern gehabt. Immer wieder sind wir jedoch mit Verdachtsfällen konfrontiert, welche uns oft technisch, logistisch und auch ethisch bis an die Grenzen fordern. Leider fehlt es noch immer gerade in Situationen, in denen schnelle Unterstützung und Handeln notwendig ist, an Hilfe durch öffentliche Stellen. Positive ist zu berichten, dass internationale Hilfe vor Ort ist und diese Krise viele Menschen aus der ganzen Welt zusammengebracht hat, die alle ein Ziel haben, nämlich Ebola effektiv zu bekämpfen. Hier in Bo und Serabu sind nun z.B. auch das amerikanische CDC, das britische Militär und die Welthungerhilfe  aktiv, die uns alle nach ihren Möglichkeiten unterstützen.

Ebola in Sierra Leone

Ebola-Bekämpfung in Sierra Leone

Ein Fall der veranschaulicht, mit welcher Problematik wir konfrontiert sind, trug sich zum Beispiel am letzten Samstag zu: Gegen 14 Uhr klingelte das Telefon, ein CHO (Community Heallth Officer) meldet sich und berichtet, vor dem Krankenhaus wäre ein Mann abgelegt worden, sehr schlechter Zustand, nun seien die Anwohner beunruhigt, ob wir schnell kommen könnten.  Vor dem Tor lag ein ca. 35-jähriger Mann, schwer atmend, auf Zuruf keine Reaktion, keine Antwort. Diejenigen, welche ihn hierher gebracht haben, hatten sich aus dem Staub gemacht, es gibt keinen Namen, keine Herkunft, keine Krankengeschichte. Auch aus mehreren Metern Abstand ist klar zu sehen, dass dieser Mensch ohne medizinische Intervention sterben wird. Als Arzt möchte man sofort hin, helfen. Ebola verbietet dies. Wir müssen Abstand halten, der Bereich muss gesichert werden, schließlich rennen ja überall Kinder herum. Dann der Anruf bei der Ebola-Hotline, die eigentlich ein Ambulanz-Fahrzeug senden sollte. Herumgedruckse, ja man würde sich wieder melden. Uns allen ist klar, dies wird nicht passieren… Wir kommunizieren direkt mit dem Holding Center, ja der Patient solle aufjedenfall gebracht werden, also mit unserer eigenen Ambulanz. Zwei unserer Mitarbeiter ziehen sich Ebola-Schutzanzüge an, Chlor-Lösung wird hergestellt, die Ambulanz vorbereitet. Nachdem der Patient auf der Liege in das Fahrzeug gebracht werden kann, muss jetzt noch das gesamte Areal, der Krankenhauseingang, der Weg, mit Chlor dekontaminiert werden, dann das aufwändige Ablegen der Schutzanzüge. Als die Ambulanz endlich losfahren kann, ist eine Stunde vergangen. Am Ebola Holding Unit in Bo, zwei Stunden Fahrzeit später, angekommen, ist der Patient tot. Aufgrund der Ansteckungsgefahr ist der Patient während der Fahrt alleine im Krankenwagen, es gibt keine intravenöse Flüssigkeit und keine Wiederbelebungsmaßnahmen. Im Kontext von Ebola gibt es kein unüberlegtes Handeln: „Dein erster Fehler ist dein letzter Fehler“ hat hier jeder eingetrichtert bekommen. Hatte der  Patient Ebola? Wahrscheinlich nicht. Wegen Ebola ist er wahrscheinlich trotzdem gestorben.

Ebola-Helfer in Sierra Leone

Desinfektion ist wichtig und kann Leben retten

In Bo, der Distrikthauptstadt, möchte niemand den Leichnam haben. Im Holding Center werden keine Leichen angenommen, das Rote Kreuz, für die Beerdigungen von Ebola-Opfern eigentlich zuständig, hat Feierabend und ist für heute nicht mehr zuständig. Wir müssen 1 ½ Stunden mit der Leiche durch die Stadt fahren und den Direktor des Ebola Response Comitees kontaktieren, bis sich das zuständige Distriktkrankenhaus endlich bereit erklärt die Leiche anzunehmen, unsere Ambulanz zu dekontaminieren und am nächsten Tag eine Probe auf Ebola zu entnehmen sowie für die Beerdigung zu sorgen – so wie es eigentlich auf dem Papier klar geregelt ist. Hätten wir keinen direkten Draht zum Labor, würden wir wohl auch das Ergebnis des Testes nie oder nur sehr spät erfahren.

Transport von Ebola-Patienten

Ambulanz-Fahrzeug zum Transport von Ebola-Patienten

Trotz mittlerweile acht Monaten Ebola in Sierra Leone und auf dem Papier 100%iger Abdeckung mit Beerdigungsteams und Ambulanzen sind wir weiterhin wie oben beschrieben meist auf uns allein gestellt, wenn konkrete Unterstützung vonseiten offizieller Stellen nötig wäre. Bisher können wir mit Stolz sagen, dass das Krankenhaus in Serabu dank der großartigen Arbeit seiner Mitarbeiter und der Hilfe der German Doctors die Situation sehr gut gemeistert hat und auch in Zukunft seine Tore offenhalten und sein Bestes geben wird, um Menschenleben zu retten.

 

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Ein Arzteinsatz der Gegensätze

Ein Bericht von Dr. Christoph Niederberger über seinen Einsatz in Manila/Philippinen

Mein dritter Einsatz mit den German Doctors führte mich im November / Dezember 2014 auf die Philippinen – nach Manila und Mindoro. Während in der Mega-Metropole Manila Bewohner in den Slum-artigen Armensiedlungen betreut werden, sind es auf Mindoro die weit abgelegenen bergigen Gebiete der Mangyans, die durch die German Doctors medizinische Hilfe erhalten. Obschon die Gegensätze zwischen diesen beiden Einsatzgebieten nicht größer sein könnten, so begegnet man doch überall demselben: Menschen, die in bitterster Armut gerade knapp überleben können, uns Fremden gegenüber stets freundlich, offen und herzlich sind und dankbar für die Hilfe, die sie erhalten. Vor allem diese Begegnungen mit den Leuten, die unter so anderen Bedingungen als wir leben, machen diese Einsätze so spannend, herausfordernd und auch sinnvoll.

Junge Patientin in Manila

Mit einfachen Mitteln kann geholfen werden.

Drei Beispiele solcher Begegnungen:
Camia, 10-jährig, kommt in einer Armensiedlung von Manila zur Konsultation, da sie seit Tagen ihre Hände nicht mehr gebrauchen kann. Diese sind aufgeschwollen, stark schmerzhaft und an mehreren Stellen drückt Eiter durch die Haut. Seit 2 Tagen ist sie fiebrig und apathisch. Ein Blick auf die Hände der Mutter bestätigt, dass es sich um Krätze (Skabies) handeln dürfte, da auch die Hände der Mutter auf diese hier weit verbreitete Hautinfektion hindeuten. Bei Camia hingegen nimmt das ganze einen ungewöhnlich schweren Verlauf durch die aufgepfropfte bakterielle Infektion. Nun kommen einem die Vorbereitungsseminare und das Bluebook der German Doctors zugute, da man von zuhause ja kaum mehr Erfahrung in der Behandlung dieser Infektion hat. Zuerst gilt es die bakterielle Fieber-verursachende Infektion zu behandeln, bevor der eigentlichen Ursache, der Krätzmilbe zu Leibe gerückt werden kann. Erfreulicherweise geht es Camia bei der nächsten Kontrolle nach einer Woche Behandlung schon viel besser, sie ist fieberfrei, sehr dankbar, dass sie ihre Hände im Alltag wieder gebrauchen kann, doch stört noch der starke Juckreiz der zugrundeliegenden Krätze. Nun gilt es die gesamte Familie von Camia, die alle davon betroffen sind zu behandeln, damit es nicht erneut zu derartigen Komplikationen wie es Camia erlebte, kommen kann.

Die Müllberge von Payatas

Die Müllberge von Payatas.

Szenenwechsel: Payatas, der Stadtteil von Quezon/Manila, in welchem der gesamte Müll von Quezon, täglich 7000 Tonnen, deponiert wird. Tausende leben hier am Rande der Müllberge und verdienen ihren Lebensunterhalt durch das sammeln und sortieren des Mülls. Auch hier betreiben die German Doctors ein kleines Health Center als medizinische Anlaufstelle. Eine Mutter bringt die kleine Melody, knapp 4-jährig, 8,8 kg leicht, die zunehmend apathisch werde, immer dickere Beine und einen dickeren Bauch kriege und kaum mehr essen möge, zu uns. Es zeigt sich das Vollbild einer schweren Mangelernährung in Form von Kwashiorkor.

Unterernährung auf den Philippinen

Fehl- und Mangelernährung ist ein großes Problem.

Alle Versuche, der Mutter verständlich zu machen, dass das Kind in einer stationären Mal-Nutrition Abteilung behandelt werden sollte, da es vital gefährdet sei, scheitern. Sowohl sie wie ihr Mann arbeiten im Schichtbetrieb abwechselnd in den Mülldeponien und verdienen so zusammen 3 US$ / Tag. Das reicht gerade, um die 7-köpfige Familie knapp zu ernähren. Wenn einer der beiden Elternteile mit Melody Wochenlang im Krankenhaus weilen muss und in dieser Zeit nicht arbeiten kann, reicht es finanziell auch nicht mehr, die übrigen Kinder einigermaßen ernähren zu können. Auch keine Verwandten oder Nachbarn könnten als Begleitperson die kleine Melody im Krankenhaus betreuen. Um uns ihre Situation klar zu machen, lädt uns die Mutter zu einem Hausbesuch nach der Sprechstunde ein.

Armut auf den Philippinen

In Manila ist die Not teilweise groß.

Dabei wird uns das schier unvorstellbare Ausmaß der schwierigen Lebenssituation von Melodys Familie bewusst: Sieben Personen leben in einem knapp 3 x 3 m großen Raum, inmitten des am Tag gesammelten Mülls, kein fliessendes Wasser, kein Zugang zu einer Toilette, eine gemeinsame Schlafstätte für alle 7 Personen. Es bleibt schliesslich nichts anderes übrig als zu akzeptieren, dass die erforderliche notwendige Betreuung von Melody auf einer Mal-Nutrition-Abteilung unmöglich ist. Wir entscheiden uns, zu versuchen mit all den uns zur Verfügung stehenden Mitteln, dem Nahrungszusatz Plumpy‘nut, Vitaminsubstitution und Behandlung allfälliger Infekte und Entwurmung sowie engmaschiger Kontrollen, Melody zu retten … mit ungewissem Ausgang !

Szenenwechsel: Mindoro: paradiesisch hügelig – bergige Landschaft, saubere Flüsse, weitgehend unberührte Natur ! In dieser Gegend leben meist sehr abgelegen die Mangyans, Stämme der philippinischen Urbevölkerung, die kaum Kontakt zur „Außenwelt“ haben und eigene Sprachen und Schrift pflegen. Nur durch die Rolling Clinics der German Doctors erhalten sie Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung.

Rolling Clinic auf Mindoro

Mit der Rolling Clinic auf Mindoro.

Eine alte Mangyan – Frau, traditionell gekleidet mit dem einzig aus Baumrinde hergestellten Kleidungsstück kommt wegen eines zunehmend geschwollenen und geröteten Fusses zu uns. Nur mit Mühe kann sie noch drauf stehen. Es findet sich direkt hinter den Zehen ein Abszess und bereits eine kleine Inzision lässt einen über 2 cm langen Holzspriessen hervortreten. Die Mangyan-Frau ist darüber sehr erstaunt, da ihr keine Verletzung bewusst war. Vor allem aber ist sie äusserst dankbar, da sie es bereits in der eigenen Familie erlebt hat, dass man an den Folgen einer anfänglich banalen Fussverletzung sterben kann. Um ihrer Dankbarkeit für die Behandlung Ausdruck zu verleihen, anerbietet sie sich, dem begleitenden Zahnarzt und mir die Zukunft aus den Handlinien voraus zu sagen! Uns soll offensichtlich noch ein langes und glückliches Leben bevorstehen…

Patientin auf Mindoro

Ein besonderes Dankeschön einer Patientin…

Solche Begegnungen, verbunden mit dem Gefühl etwas Sinnvolles zu leisten, machen diese Einsätze mit den German Doctors immer wieder zu einer grossartigen und berührenden Erfahrung. Ich freue mich bereits auf den nächsten Einsatz.

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Unterwegs in Arakan mit der Rolling Clinic

Ein Bericht von Dr. Elke Wettstädt über ihren Einsatz auf Mindanao/Philippinen

Nach dem ersten Tag der Rolling Clinic-Tour auf der philippinischen Insel Mindanao macht sich unser Team am frühen Morgen vom Dorf Libertad auf zum nächsten Tagesziel. Die mehrstündige Fahrt führt über rumpelige Schotter- und Feldwege, durch kleine Dörfchen, Bananenplantagen und grüne Felder, bergauf und -ab mit immer wieder schönen Ausblicken auf die grünen Hänge alter Vulkanberge und die Talebenen davor.

Rolling Clinic auf den Philippinen

Manchmal ist das durchkommen schwer…

Kurz vorm heutigen Tagesziel – dem Dorf Lake Sagan – kommen wir allerdings fast nicht weiter: Die regennassen Matschwege sind von Bananenlastern völlig zerfahren und zerklüftet, unser Jeep droht in Schräglage zu geraten, steckenzubleiben oder gar umzukippen. Erst als uns die Dorfbewohner zu Hilfe kommen und das dichte Gestrüpp am Wegrand kurzerhand mit Macheten entfernen, können wir über diesen improvisierten “Seitenstreifen” vorsichtig weiterfahren.

Medizinische Hilfe auf den Philippinen

Zahlreiche Patienten warten auf eine Untersuchung

Im Dorf angekommen, welches nur aus Bambus- und Holzhütten besteht, schlagen wir unser Tageslager auf; alle Einwohner helfen beim Entladen des Jeeps. Unter einem Unterstand kümmern sich Fahrer Lito und Nurse Gladys um die Registrierung der Patienten, Blutdruckmessung, Wiegen etc., später auch um die Ausgabe der Medikamente und Impfungen, während Übersetzerin Katy und ich uns den ersten Konsultationen widmen. Diese finden in der Kirche statt, welche letztlich eine überdachte Ansammlung von Sitzbänken mit einem kleinen Rednerpult, jedoch weitestgehend ohne Wände ist. Ein Teil der vorderen Sitzreihen ist für uns als improvisiertes Sprechzimmer durch Tücher abgetrennt worden, der hintere Teil der Bänke dient als Warteraum.

Arztbehandlung auf Mindanao

Unser Sprechzimmer

An diesem Tag werden wie so oft viele kranke Kinder vorstellig, viele Patienten mit Infekt-Erkrankungen wie z.B. Lungenentzündungen, aber auch Hautprobleme, Durchfall oder Schmerzen werden häufig beklagt. Wir können den meisten prompt mit unseren mitgebrachten Medikamenten helfen, bevor sich die Symptomatik weiter verschlechtert oder gar lebensbedrohlich wird. Die Patienten sind dankbar für die erbrachte Zuwendung und Hilfe – ohne die Rolling Clinic wäre die nächste medizinische Versorgungsmöglichkeit mehrere Stunden Fußweg oder eine sehr teure (für die meisten unbezahlbare) private Motorradfahrt entfernt. Zwischendurch sorgen ein Blick aus der wandlosen Kirche ins grüne Tal, ein durch das Sprechzimmer spazierender Hahn und das von Dorfbewohnern bereitete Mittagessen für kurze Pausen.

Die philippinische Insel Mindanao

Wunderschöne Landschaft begleitet uns

Am späten Nachmittag wird wieder zusammengepackt und nach etwa 2 Stunden wackeliger Fahrt vorm abendlichen Wolkenbruch noch das nächste Etappenziel erreicht. Morgen erwartet uns wieder ein spannender Tag mit der Rolling Clinic auf den Philippinen!

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Unterwegs in einem vergessenen Land

Ein Bericht von Dr. Klaus Zimmermann über seinen Einsatz in Ocotal/Nicaragua

Zum 4. Mal bin ich zu einem Einsatz für die German Doctors nach Nicaragua aufgebrochen, in dieses von der Welt vergessenen Landes in Zentralamerika. Nicaragua ist nach Haiti das ärmste Land des Kontinents. Ich stelle fest, dass die Kluft zwischen arm und reich größer wird, denn in den Bergen herrscht Mangel an Lebensmitteln, während in der Hauptstadt Managua großzügige Einkauf-Malls gebaut werden.

Rolling Clinic in Nicaragua

Unterwegs mit der Rolling Clinic in Nicaragua

Unsere Einsatzorte sind Streusiedlungen in den Bergen nördlich von Ocotal an der Grenze zu Honduras. Wir wohnen in guten Zimmern mit Zugang aus einem von der Straße abgeschirmten Hofes und versorgen uns selbst. Die Unterkunft ist angenehm, wenn nicht gerade Wasser oder Strom ausfallen. Täglich fahren wir sternförmig mit dem Jeep auf steilen, holprigen Wegen durch Bäche und Schlamm, vollgepackt mit Ausrüstung und Medikamenten zu einem der 14 Einsatzorte. Gleich am ersten Tag stellt sich zitternd ein Bauer vor, der sich mit seiner Machete  massiv blutende Wunden der Hand zugezogen hat. Nach Anlegen der Verbände transportiert ihn Alvin, unser Fahrer, zum Gesundheitsposten nahe Ocotal. Also dauert die Sprechstunde heute besonders lang, bis er am Nachmittag wieder zurückgekehrt ist. Zeit genug, um sich um verwurmte Kinderbäuche zu kümmern, alle Typen von Atemwegserkrankungen zu behandeln, Wunden und Ulcera zu pflegen, Vorträge zu halten oder auch nur mit der Oma zu plaudern.

Helfen in Nicaragua

Die Menschen sind dankbar für unsere Hilfe

Heute wird uns ein Frühchen von einer 18-jährigen Mutter gebracht, 6 Wochen alt, vor 2 Wochen aus dem Krankenhaus in Managua entlassen, mit einem aktuellen Gewicht von ca. 2 kg. Uns bleibt nur, der Mutter Milchpulver, Soja und Reis bis zur nächsten consulta in 2 Wochen auszuhändigen. 25-80 Patienten sehen wir täglich. Vielen können wir mit unserer gut sortierten Apotheke helfen, aber auch mit Rat und Zuwendung.

Ich dränge auf Hausbesuche. Zusammen mit Brigadista und Arzthelferin erreichen wir über steile, abschüssige Trampelpfade abgelegene Hütten, davor die obligatorische offene Herdstelle. Einige Töpfe stehen dort, die sich bei näherem Hinschauen als leer erweisen. Bei diesem meinem 4. Einsatz in Nicaragua erlebe ich erstmals hautnah nicht nur den Mangel an Wasser, Hygiene, Schuhen oder stabilen Wohnräumen, sondern das Fehlen von Lebensmitteln. Oft stehen nicht einmal die Grundnahrungsmittel Bohnen, Mais und Reis zur Verfügung. Somit erweitert sich unsere medizinische Tätigkeit um das Mitbringen von Reis-Soja-Paketen und Kleidung aus Secondhand-Depots unserer Koordinatorin Dulce Maria; Spenden aus den USA.

Armut in Nicaragua

Die Armut in Nicaragua ist leider nach wie vor groß

Wieder empfinde ich es als tief befriedigend in einer weltabgeschiedenen Umgebung für eine bedürftige Gesellschaft mit unseren bescheidenen Mitteln helfen und heilen zu dürfen. Die freundliche Wertschätzung der Bewohner der Bergsiedlungen ist eine unvergleichliche Belohnung und schafft Distanz zu den überbewerteten Problemstellungen unserer Konsumgesellschaft.

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Uchungu wapi? – Wo tut es weh?

Ursprünglich veröffentlicht auf sabinewaldmannbrun:

Dienstag, 12.50 Uhr

Ein Herr mittleren Alters beklagt, neuerdings magnetisch zu sein. Ein Fall fuer die Chirurgie, denn: beim Arbeiten ist ihm vor einigen Tagen ein Metallsplitter in den Unterarm geraten. Die Schwestern im Dressingroom sind zuversichtlich, dass die Entfernung des Fremdkoerpers schnell erledigt ist und mochten die Aktion noch vor der Mittagspause gestartet sehen.

Die Chirurgin spritzt die oertliche Betaeubung und schaut noch schnell eine Lady mit Malariasymptomatik an. Bei  taeglich  an die 300 Patienten (verteilt auf 6 Aerzte) sind nicht nur die Patienten des eigenen Fachgebiets zu sehen.

Das Metallteilchen ist schnell entfernt, allerdings springt der Patient fast vor Schreck vom Tisch, als neben ihm das Sterilisationgeraet Dampf ablaesst. Auch die Chirurgin fragt sich, ob das Teil demnaechst explodieren koennte, was dann aber doch nicht der Fall ist. Die Geraeuschkulisse dient nicht unbedingt der Entspannung, zumal auch auf der anderen Seite des Vorhangs gegipst und Beinulzera verbunden werden…

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Mathare – Hausbesuche mit Rose. Kontraste.

Ursprünglich veröffentlicht auf sabinewaldmannbrun:

Ein fliederfarbenes Kostuem, dazu flache, bequeme Sportschuhe in Hellgruen. Rose, kugelrund, ist langjaehrige Sozialarbeiterin, ehemalige Matharebewohnerin und fuer den Marsch durch das Pfadelabyrinth gut geruestet.

Bis in die Felsen am Rande des Tals hineingebaut, jeder Meter, der als Baugrund zu haben ist, genutzt, reiht sich Wellblechverschlag an Wellblechverschlag. Keiner wie der andere, jedes Bauwerk individuell zusammengesetzt aus Wellblech, Abfallmaterial, alten Schildern, Plastikplanen, Brettern. Aneinandergefuegt mithilfe von Naegeln, die teils mit Kronenkorken unterpolstert sind, um die Bleche nicht auszureissen. Farbspuren, hier und da Malerisches zur Verzierung. Schriftzuege. Nummern.

Schmal sind die Durchgaenge, felsig, sandig, mit nicht wiederverwertbarem Muell uebersaet, von trueben Abwasserrinnsalen durchzogen, von Waescheleinen ueberspannt. Ueberall ist jemand am Waschen, und es ist Ehrensache, es sich zumindest ausserlich nicht anmerken zu lassen, wo man wohnt.

Rose hat einen Leinenbeutel mit wichtigen Dingen geschultert. Ein paar Malariamedikamente, etwas gegen Schmerzen, das dreieckige Holzkaestchen mit Luecke an einer Spitze zum Tablettenzaehlen, die…

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